Bielefeld (blue). Es klingt wie ein Märchen aus 1.001 Nacht: Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld wird von einem reichen Scheich aus Saudi-Arabien gerettet. Leider wird es so schnell nichts mit dem potenten Geldgeber aus der arabischen Welt.
Was war geschehen? Am Montag vor dem Spiel gegen Kaiserslautern war eine Schweizerin, die mit einem Scheich verheiratet ist, zu Besuch bei Finanz-Geschäftsführer Heinz Anders. Der Kontakt kam über einen Bielefelder Geschäftspartner ihres Ehemannes zustande. Inhalt des Gesprächs: Der Scheich möchte Sponsor werden und will kurzfristig eine größere Summe zur Verfügung stellen. Bedingung: Es muss ein Vorvertrag her, dazu wollten der Scheich und seine Frau gebauchpinselt werden – etwa mit einer Wellness-Woche und einem Einkaufsgutschein im Wert von 5.000 Euro.
Der Scheich, der sein Geld mit Öl und Immobilien verdient, sei angeblich aus der saudi-arabischen Königsfamilie. Diese Aussage und die kleinen Extras machten Anders dann doch stutzig und der zufällig anwesende Roland Kopp versuchte über seine Kontakten in die arabische Fußballwelt Klarheit zu schaffen. Sein Fazit: "Den Scheich kennt dort niemand. Es ist zu schön, um wahr zu sein." "Wir prüfen jede Möglichkeit, aber nach allem menschlichen Ermessen konnten wir in das Geschäft nicht einwilligen", sagte Anders.
So weit, so gut: Die Geschichte hat so stattgefunden, ob der Scheich nun wirklich ein so potenter Sponsor gewesen wäre, kann sich jeder selbst ausmalen. Die Schweizer Ehefrau ist nach eigener Aussage jedenfalls weitergezogen – zum nächsten Profiklub mit Geldsorgen.
Derweil haben sich Arminia und die Stadt Bielefeld zu Gesprächen getroffen. Oberbürgermeister Pit Clausen empfing zusammen mit den Chefs der wichtigsten städtischen Töchter Stadtwerke und Sparkasse Heinz Anders. Über genaue Inhalte des Treffens ist nichts bekannt, doch dass die Stadt als Retter auftritt, darf man aufgrund der ebenfalls angespannten Finanzlage der Kommune bezweifeln.
In Aachen dagegen hat die Stadt geholfen: Sie übernimmt eine Ausfallbürgschaft über 5,5 Millionen Euro, dadurch kann Alemannia Aachen die drohende Insolvenz abwenden. Die Rettung des Vereins durch eine städtische Bürgschaft war in der Politik heiß diskutiert worden, stellt aber letztlich wohl das kleinere Übel dar. Bei einer Pleite der Alemannia hätte die Stadt Aachen mindestens 30 Millionen Euro durch Pachtausfälle verloren und vor einem leeren Stadion gestanden. In Bielefeld kann das nicht passieren: Hier gehört das Stadion dem DSC Arminia.