Schloß Holte-Stukenbrock. Das Erzbistum Paderborn ist nicht nur sehr alt, es wurde 799 von Papst Leo III. und Karl dem Großen errichtet. Es ist auch sehr groß. Mit 14.750 Quadratkilometern (km2) ist es nur unwesentlich kleiner als die Bundesländer Schleswig-Holstein (15.800 km2) und Thüringen (16.200 km2) und erheblich größer als das Saarland (2.500 km2) und die Stadtstaaten. Erzbischof Hans-Josef Becker steht an der Spitze des Bistums - und ohne penible Organisation geht gar nichts.
Für die Visitationen der Dekanate ist ein Zeitabstand von sechs Jahren festgelegt. Jetzt ist wieder Schloß Holte-Stukenbrock dran. Andacht, Hochamt, Heilige Messe und das Spenden des Sakraments der Firmung gehören ebenso zum Programm des Kirchenfürsten wie Gespräche mit den Geistlichen des Pfarrverbundes und dem Bürgermeister.
Und Hubert Erichlandwehr nutzt die Gelegenheit, um den Erzbischof um einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt zu bitten. Der geht vollkommen unprätentiös ans Werk und zückt seinen Kugelschreiber. "Nehmen Sie lieber den hier", sagt der Bürgermeister, "der ist dokumentenecht."
Vorangegangen war ein Gespräch zwischen Erichlandwehr, Erzbischof Hans-Josef Becker und Dechant Josef Dieste aus Halle. Dabei ging es auch um die demografische Entwicklung. In diesem Zusammenhang machte Becker deutlich, dass es im kirchlichen Bereich auch weiterhin Veränderungen geben werde. "Wir haben bisher 770 Kirchengemeinden gehabt. Das wird neu geordnet. Unser Ziel sind 88 Einheiten, wobei der pastorale Raum nach Möglichkeit die kommunalen Grenzen nicht überschreiten soll", erklärt Becker. Da pflichtet Erichlandwehr ihm bei: Die alten Verbindungen, die über die kommunalen Grenzen hinausgingen, hätten sich nicht bewährt. Kooperation und Konzentration sind laut Becker jetzt gefragt. Die Kirche will sich bis zum Jahr 2020 Zeit lassen, die Reform abzuschließen. Schon jetzt gebe es keine Gemeinde mehr, die nicht einem Pfarrverbund zugeordnet sei.
Auch über ein Politikum wurde gesprochen. Noch immer ist nicht klar, was auf dem Obelisken auf dem russischen Ehrenfriedhof zu sehen sein soll - die sowjetische rote Fahne mit Hammer und Sichel oder das russisch-orthodoxe Kreuz. Becker zeigte sich vom Verhalten der russisch-orthodoxen Kirche wenig amüsiert. "Wir waren weiter im Sinne der Verlässlichkeit - und jetzt geht alles wieder umgekehrt." Die Enttäuschung Beckers gründet sich auf die Wende, doch wieder die Fahne wehen zu lassen. "Dabei hat das orthodoxe Kreuz eine viel längere Tradition."
Auch Pfarrer Karl-Josef Auris machte keinen Hehl daraus, was er von der Fahne mit Hammer und Sichel hält: "Wir bilden doch auch keine Hakenkreuze ab. Der Marxismus hat Europa gespalten." Der Erzbischof jedenfalls will nicht noch einmal Stellung beziehen.