Bielefeld. Die Stadtwerke Bielefeld, bisher mit 35,7 Prozent am regionalen MVA-Betreiber Interargem GmbH beteiligt, wollen die Mehrheit an der Müllverbrennungs-Gesellschaft erwerben. Der Zukauf ist möglich, weil der bisherige Hauptgesellschafter der Interargem, Eon, seine Entsorgungssparte ("Eon Energy from Waste") verkaufen will. Und die Bielefelder haben für die beiden Interargem-Anlagen in Bielefeld-Heepen und Hameln das Vorkaufsrecht.
Gedacht ist offenbar daran, dass die Stadtwerke Bielefeld zunächst sämtliche Anteile von Eon (61,2 Prozent) erwerben, um dann einen Teil weiter an Städte und Kreise in Ostwestfalen-Lippe weiterzuverkaufen. Die Stadt Hameln und der Kreis Lippe sollen bereits Interesse signalisiert haben. "Wir streben die Mehrheit an, also 51 Prozent plus X Anteile", sagte Friedhelm Rieke, einer der Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld. Sein Kollege Wolfgang Brinkmann betonte, es sei auch aus politischer Sicht sinnvoll, dass die beiden Müllverbrennungsanlagen in regionale Hände kämen."
Die Interargem GmbH gilt wegen ihrer Wirtschaftlichkeit (Jahresgewinn zuletzt rund 20 Millionen Euro) als Perle unter den MVA-Beteiligung von Eon. In Branchenkreisen wird der Wert der Gesellschaft auf 150 bis 200 Millionen Euro geschätzt. Demnach wären die Eon-Anteile 100 bis 130 Millionen Euro wert - ein Betrag, der sich möglicherweise mit dem bisherigen Eon-Gewinnanteil (rund 13 Millionen Euro) finanzieren ließe.
Obwohl die Stadtwerke Bielefeld (seit dem Rückkauf der bisherigen Anteile der Bremer swb AG wieder vollständig im Besitz der Stadt Bielefeld) ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2010 um 19,6 Millionen auf jetzt 698,7 Millionen Euro steigern konnte, musste das Versorgungsunternehmen einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen.
Reduzierter Bilanzgewinn
Vor allem wegen der neuen Brennelementesteuer ist der Bilanzgewinn von 40,6 Millionen Euro im Jahr 2010 auf jetzt 30,7 Millionen Euro zurückgegangen. Von dem verbliebenen Ertrag allerdings muss die Stadt Bielefeld auch den Rückkauf der 49,9 Prozent Bremer Anteile (für knapp 200 Millionen Euro) finanzieren. Den Effekt der Brennelementesteuer (die Bielefelder betreiben gemeinsam mit Eon das Kernkraftwerk Grohnde) bezifferte Geschäftsführer Rieke auf 20,6 Millionen Euro.Nicht nur wegen des Gewinn-Einbruchs sprachen Brinkmann und Rieke von "turbulenten Zeiten" für das Unternehmen. So gibt es auch Schwierigkeiten mit Großprojekten der Stadtwerke Bielefeld. Gemeinsam mit den Stadtwerken Münster und Osnabrück wollen die Bielefelder sich mit zwölf Prozent ein einem Windpark in der Nordsee ("Butendiek") beteiligen. Das Projekt steht - auch wegen der Schwierigkeiten bei der Erstellung des für die norddeutschen Offshore-Anlagen erforderlichen Stromnetzes - in den Sternen. Auch beim geplanten Gas- und Dampfkraftwerk in Krefeld-Uerdingen, an dem sich die Bielefelder beteiligen wollen, gibt es Schwierigkeiten. Hier dürfte sich die Genehmigung deutlich verzögern.