16.06.2012
Emissionsfrei auf Tour mit dem Nissan Leaf
In 2011 zum "Auto des Jahres" in Europa" und zum "World Car of the Year" gewählt. Im Alltagsbetrieb muss der Stromer nur alle zwei Tage an die Steckdose.
VON WOLFGANG BARLEN
Auto ohne Verbrennungsmotor | FOTOS: BARLEN
Vorbehalte gegen reine Elektrofahrzeuge, also Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor, dominieren bei Autofahrerinnen und Autofahrern nach wie vor. Sind E-Autos alltagstauglich? Wie schaut es mit der Reichweite aus? Sind genügend Ladestationen vorhanden? Wie langlebig sind die Komponenten des elektrischen Antriebs? Alles berechtigte Fragen. Einige können beantwortet werden, denn wir haben den Nissan Leaf einem Alltagstest unterzogen.
Rund um Bielefeld beispielsweise gibt es nach Auskunft des Internetportals
www.stromtankstellen.eu 51 Stromtankstellen. Das ist nicht gerade viel. Andererseits bieten die Hersteller neben der Möglichkeit, den Stromer an der normalen heimischen Steckdose aufzuladen, auch die Alternative, daheim eine eigene Zapfsäule für eine schnelle Ladung installieren zu lassen. Die kostet zwar ein wenig extra (bei Nissan 859 Euro für die so genannte Easy Box), schlägt aber ob des ohnehin schon üppigen Preises für das E-Auto (36.990 Euro) nicht mehr besonders auffällig zu Buche.
FAKTEN
Nissan Leaf
Motor: EM61-Wechselstrom Synchronmotor, max. Leistung 80 kW/ 109 PS bei 2.730 bis 9.800 U/min., max. Drehmoment 280 Nm bei 0 bis 2.730 U/min., Automatikgetriebe, einstufig, Vorderradantrieb, Höchstgeschwindigkeit 145 km/h, Reichweite 175 km, Lithium-Ionen-Batterien 24 kWh, Stromverbrauch 173 Wh/km, CO2-Emissionen 0 g/km
Maße/Gewichte: Länge 4.44 m, Breite 1.77 m, Höhe 1.55 m, Leergewicht 1,5 t, Kofferraumvolumen 330 bis 680 l, Wendekreis 10,4 m
Grundpreis: 36.990 Eur
Über die Langlebigkeit der elektrischen Antriebskomponenten lassen sich derzeit kaum griffige Aussagen machen. Die alternativen Antriebe müssen sich im Verkehr erst einmal über einige Jahre beweisen. Ein Blick aber in die Gewährleistungsvereinbarungen gibt zumindest Hinweise, welches Vertrauen der Hersteller selbst in seine Produkte hat. Nissan gewährt beim Leaf ganze fünf Jahre Garantie auf alle EV-Komponenten. Ein beruhigender Wert.
Strom reicht auch für einen zweiten Tag
Der Alltag stellt klare Anforderungen an ein Fahrzeug. Und der Nissan Leaf steht schon ob seiner Erscheinung gegenüber i-Miev und Co. gut da. Gemeint ist zunächst das Platzangebot. Der Leaf kommt nämlich in Golfgröße daher. Fünf Türen, ein üppiges Raumangebot zeichnen ihn aus. Vorn wie im Fond sitzen die Fahrgäste bequem. Von Platznot keine Spur. Mehr als ausreichende Bewegungsfreiheit bietet der elektrische Japaner auf allen Plätzen. Nicht nur das, auch für Gepäck ist dann noch Raum – fasst das Ladeabteil doch noch ausreichende 330 Liter. Das reicht auch für den Wocheneinkauf (siehe Bild), und für noch mehr Platz können die Rücksitzlehnen umgeklappt werden.
Display in der Mittelkonsole
In Sachen Reichweite kommt (zugegeben) an den ersten Tagen leichte Unruhe beim Fahrer auf. Vollgeladen soll der Leaf 163 Kilometer weit fahren können. Aber nach dem Start schrumpft diese Zahl ziemlich flott. Doch der Schein trügt, denn neben Stromverbrauch wird beispielsweise beim Bremsen oder bergab der E-Tank auch wieder nachgeladen. So bleibt am Ende des Tages die Erkenntnis, dass bei einer Fahrleistung von etwa 80 Kilometern der Strom auch für einen zweiten Tag noch locker reicht. Erst dann wird der Stromer über Nacht an die normale Steckdose gestöpselt, um nach etwa acht Stunden wieder vollgeladen zum nächsten Einsatz zu starten.
Stromgetrieben fährt man schnell anders, ist eine weitere Erkenntnis. Vorausschauend sucht man nach Gelegenheiten, verfahrene Energie zu rekuperieren und freut sich, wenn die Reichweite plötzlich wieder größer wird. Unnötiges, exzessives Beschleunigen gehört schnell der Vergangenheit an. Schließlich geht es ja um ökonomische Fortbewegung. Ausnahmen bestätigen die Regel. Zum Beispiel an der Ampel, wenn man dem mitleidigen Blick des Fahrers nebenan entgehen möchte. Den lässt man dann flott mal dem Leaf-Heck hinterherschauen, steht das eigene maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern doch bereits ab Null Umdrehungen parat.
Fazit: Der Nissan Leaf ist ein ausgewachsenes Auto – nur eben mit Elektroantrieb. Lenkung, Federung, Dämpfung, all das entspricht einem Fahrzeug seiner Klasse. Beladung, Platzangebot, Handling ebenso. Ein wenig Gewöhnungsbedürftig sind die etwas futuristischen Anzeigen in Cockpit und Mittelkonsole. Aber irgendwie passen sie auch zu diesem doch insgesamt auch futuristischen Wagen. Alltagstauglich ist der Japaner allemal, sofern seine Laufleistung täglich nicht 160 Kilometer übersteigt. Als Zweitwagen ist er top – leider aber etwas teuer.
Weitere Nachrichten aus NW-Mobil