11.08.2012
Renault Koleos: Die unbekannte Größe
Obwohl das SUV-Segment in Deutschland boomt, tut sich Renault mit dem Koleos ganz schön schwer
VON LOTHAR HAUSFELD
Seltener Anbick | FOTOS: RENAULT
Es ist so eine Sache mit den französischen SUV in Deutschland. Obwohl die Liga der allradtauglichen Hochbeiner boomt wie kein anderes Segment, bekommen Peugeot, Citroën und Renault mit ihren Modellen bei uns kein Bein auf den Boden. Woran es liegt – wir haben es im 173 PS starken Renault Koleos dCi 175 4x4 versucht, zu ergründen.
Nach dem Facelift im letzten Jahr kommt der Franzose, der in Korea vom Band läuft, deutlich geschliffener daher. Die Optik fällt als Grund also schon mal weg, warum im ersten Halbjahr 2012 nur knapp über 1000 Exemplare zugelassen wurden.
FAKTEN
Renault Koleos dCi 175 Night & Day
Motor: 1.6-l-Vierzylinder (127 kW/173
PS), max. Drehmoment: 360 Nm, Effizienzklasse:
C, Verbrauch: 6,4 l, CO2:
166 g/km (Werk), 6-Gang-Schaltung,
Front-/Allradantrieb (wählbar).
Maße: Länge: 4,52 m, Leergewicht:
1.730 kg, zul. Gesamtgewicht: 2.250
kg. Testverbrauch: 7,3 l.
Ausstattung: Bose-Soundsystem, Navigationssystem,
Metalliclackierung, Klimaautomatik;
Extras: Xenon-Licht
1200 Euro.
Grundpreis: 35.400 Euro, gefahrene
Version: 35.400 Euro.
Ist es der Innenraum? Kaum vorstellbar, denn auch wenn bei unserem fast fabrikneuen Test-Koleos am Anfang unangenehme Kunststoffausdünstungen noch wahrnehmbar waren, gab es nur wenig zu bemängeln.
Üppiges Platzangebot, saubere Verarbeitung
Etwa, dass die Bedienung zerklüftet wirkt. Für den Tempomatengibt es Bedienelemente im Lenkrad sowie auf der Mittelkonsole, der Knopf für die Sitzheizung ist unlogischerweise uneinsehbar am Sitzrand angebracht, das Audiosystem wird sowohl per Bediensatellit hinterm Lenkrad als auch am Gerät gesteuert, das ansonsten empfehlenswerte Navi (Serie beim Modell "Night & Day") hat eine Zusatzbedieneinheit vor der Mittelarmlehne.
Aber ansonsten gab es nichts zu meckern. Das Platzangebot für vier Erwachsene ist sehr üppig, die Ledersitze sind schön straff ausgelegt, alle Materialien wirken sauber verarbeitet. Das in dieser
Ausstattungslinie ebenfalls serienmäßige Panorama-Glasdach sorgt für einen hellen Innenraum.
Die 173 PS werden an die vorderen oder an alle vier Räder abgegeben. Der Selbstzünder geht recht beherzt zur Sache, sodass spontane Überholvorgänge keine Probleme darstellen. Da das maximale Drehmoment allerdings erst ab 2000 Umdrehungen zur Verfügung steht, sollte rechtzeitig runtergeschaltet werden.
Lenkung sorgt für Stirnrunzeln
Wer auf allzu forsche Kurvenfahrten verzichtet, der findet in dem Franzosen aus Korea einen sanften Wegbegleiter, der die meisten Problemstraßen achselzuckend überquert. Einzig die reichlich indifferente Lenkung, die viel zu viel Spiel hat und viel zu wenig Rückmeldung gibt, sorgte für Stirnrunzeln.
Als 173-PS-Variante kostet der Koleos stolze 35.400 Euro. Da wird so mancher Interessent erst einmal zurückschrecken, doch beim Blick auf die Ausstattungsliste relativiert sich das wieder: Bose-Soundsystem, Glasdach, Navi, Klimaautomatik – was bei Konkurrenten üppige Aufpreise nach sich zieht, ist hier schon inklusive.
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