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17.11.2012
Mazda3 MPS: Der Reis ist heiß
VON LOTHAR HAUSFELD

Unauffällig geht anders

Manche Vorurteile und verbale Verballhornungen halten
sich ganz offensichtlich nahezu unbegrenzt. Es soll immer noch Menschen geben, die japanische Autos herablassend
per se als "Reisschüssel" bezeichnen.

Dass die Asiaten in puncto Qualität und Fahrspaß mit europäischen und deutschen Modellen längst auf Augenhöhe agieren, ist vermutlich an diesen Menschen vorbeigegangen. Mit dem Mazda3 MPS gibt es beispielsweise einen sportlichen Kompakten, der beim Thema PS, Geschwindigkeit und Schnelligkeit dem Branchenprimus aus Wolfsburg, dem VW Golf GTI, überlegen ist. Wir haben dem Japaner auf den Zahn gefühlt.

Info

Fakten

Motor: 2.3-l-Vierzylinder-Turbobenziner
(191 kW/260 PS), max. Drehmoment:
380 Nm, Effizienzklasse: G, Verbrauch:
9,4 l, CO2: 219 g/km (Werk),
6-Gang-Handschaltung, Frontantrieb.

Maße: Länge: 4,51 m, Leergewicht:
1.470 kg, zul. Gesamtgewicht: 1.925
kg, Testverbrauch: 10,0 l.

Ausstattung: Zwei-Zonen-Klimaautomatik,
Sportsitze, Sportfahrwerk. Extras:
Navigation (720 Euro), Plus-Paket
mit Xenonlicht u. m. (2.090 Euro).

Grundpreis: 28.390 Euro, gefahrene
Version: 31.200 Euro.

Großer Lufteinlass auf der Motorhaube für die Frischluftversorgungdes Ladeluftkühlers, auffälliger Heckspoiler, 18-Zoll-Felgen mit 225-er-Bereifung und Doppel-Auspuffanlage mit entsprechend sportlichem Sound zeigen unmissverständlich an: Dieser Reis ist heiß.

Im Innenraum wird der 260-PS-Sportler diesem Versprechen nicht ganz gerecht. Klar, die Verarbeitung gibt keinerlei Anlass zur Nörgelei, rote Farbtupfer an Ledernähten, den Türinnenseiten oder den Instrumentenskalen sorgen für ein wenig sportliches Ambiente, doch insgesamt verbreitet das überwiegend im tristen schwarzen Hartplastik ausgeführte Cockpit nur wenig Charme.

Den zeigt der MPS auf der Straße: Wenn die 380 NewtonmeterDrehmoment zur Verfügung stehen, schiebt der Kompakte unwiderstehlich an, bäumt sich auf und nimmt, begleitet von einem rauen Röhren aus den Auspufftöpfen, direkt Kurs auf die 250-km/h-Marke auf.

Gute sechs Sekunden dauertes, bis maximal erlaubtes Landstraßentempo erreicht ist – aber nur, wenn die Straße trocken ist. Bei feuchtem Untergrund hat der Mazda Probleme, die immense Kraft verlustfrei auf den Teer zu bringen. Dann rubbeln die Vorderräder schon mal über den Straßenbelag. Dazu kommt die unverschämt straffe Auslegung der Federn, die im Alltag nervt.

Für den Einstiegspreis von 28.390 Euro ist von der Klimaautomatik über Audiosystem und Freisprecheinrichtung bis zum Metallic-Lack fast alles an Bord; in dieser Disziplin hängt der Mazda3 MPS den VW Golf GTI ebenfalls ab. Wer bei einem Kompaktsportler vor allem auf Leistung statt auf gute Manieren Wert legt, der dürfte mit diesem Modell glücklich werden. Und wer immer noch despektierlich von "Reisschüsseln" spricht, der wird spätestens schweigen, wenn er von einem MPS locker überholt wurde.


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