Auf der Alm, da gibts koa Sünd – sagt man, singt man, weiß man! Na ja. Auf alle Fälle gibt es Käse satt auf den Almen, hüben wie drüben, in Österreich und ebenso in Bayern. Und wer vom Käse zu viel probiert, der sündigt ganz gewaltig. Denn zum Verdauen gibt es mindestens auch noch einen oder zwei oder drei Enzian hinterher.
Doch sei’s drum, gefastet wird morgen. Schließlich steht im Salzburger Land der Almkäse in diesem Sommer ganz groß im Mittelpunkt des touristischen Treibens, wenn unter anderem Käse-Sommelier Otmar Stellner mit seinen Gästen auf Genusswanderschaft geht. Begleiten wir ihn.
Stellner weiß (fast) alles über Käse. In Österreich ist er ein Star, hat Bücher geschrieben, ist Dauergast im Austria-TV und bringt jungen Leuten an der Tourismusschule in Salzburg unter anderem alles über Kochen und gesunde Ernährung bei. In seiner freien Zeit wandert er im Salzburger Almsommer mit Käse-Interessierten zwischen Almen und Hütten hin und her. Zum Beispiel zur Loseggalm, wo er schon erwartet wird.
Zwei hübsche Frauen führen Regiment
"Servus, Otmar, wie geht’s?" Hier, auf fast 1.500 Meter Höhe am Fuße der imposanten Bischofsmütze, führen zwei junge Frauen charmant Regiment, Michaela und Maria. Die eine hübscher als die andere und beide – wie der Herr Sommelier – hochkompetent in Sachen Milchverarbeitung. "Das Käsen hab ich schon als kleines Madel von der Mama gelernt", erzählt Maria (25) und streichelt ihrem Sohn Tobias zärtlich über den Kopf. Der ist mit seinen vier Lenzen der jüngste Senner weit und breit.
Bis Ende September ist das Trio – ergänzt um Maria ("Ich kümmer mich um die Viecher"), ein paar Kühe und die beiden Hausschweine Gordon und Bleu – die Stammbesetzung in der urigen Almhütte. Morgens gegen 5 Uhr ist hier oben, wo die saubere Luft nach Heu und Kräutern schmeckt, die Nacht zu Ende. Raus geht’s! Die Arbeit auf der Alm beginnt früh: Die Kühe müssen gemolken, Käse und Butter gemacht werden, bevor die ersten Wanderer eintreffen. Wie die zwei Burschen aus Ostdeutschland, Mirko und Fred. Aus Oberwiesenthal der eine, aus Zwickau der andere. Für eine Brotzeit, die hier oben nur Jause heißt, sind sie zwei Stunden aus dem Tal hinaufmarschiert.
"Wir kommen jedes Jahr wieder", sagen die beiden und flirten kräftig mit Sennerin Maria. Dabei entsteht folgender Dialog, der für viel Heiterkeit in der Hütte sorgt. Mirko will eine "Gaaabel". Maria: "Woas willst?" Mirko: "Nuuu, eine Gabel!" Maria: "Ach so, eine Goabel!" Wir lernen: Deutsche Sprache ist immer noch schwere Sprache.
Schlummern im Heu-Himmelbett
Sieben Käsesorten zaubern Maria und Michaela aus der Milch ihrer Kühe, die nur das gesunde Grün der Bergwelt fressen. Käse gemacht wird jeden Tag, an die fünf Kilogramm. Von Frisch- bis zu Magermilch- oder Schnittkäse. Die Losegg-Alm und die angrenzende Langfeldhütte ist seit Generationen im Besitz der Familien Kendlbacher. Die Hütte bietet gemütliche Schlafplätze im Bettenlager oder ein Heu-Himmelbett im Séparée für Almromantiker. Maria sagt, sie fühle sich sauwohl hier oben. Ob ihr was fehle? "Na", sagt sie, "nichts." Um dann zu ergänzen: "Ein wenig mehr Schlaf dürfte es schon sein."Szenenwechsel, ein paar Täler weiter. Von Dienten (ausgesprochen wird der Ort ähnlich wie Därnten) geht’s zum Käse-Pauli in die Schweizerhütte in der Region um den Hochkönig. Paul Kreuzberger, den hier keiner unter seinem vollen Namen kennt, ist ein Hansdampf erster Güte: immer in Aktion und ein Plauderer vor dem Herrn. Seine Philosophie: Zum Käse gehört Fett und Schluss mit dem Magerwahn. Was er meint, kann der Gast probieren – würzigen Bärlauch- oder Heukäse etwa. Nur Paulis Käse-Schokolade, die er mit einer ortsansässigen Konditorei herstellt, ist gewöhnungsbedürftig.
Nach dem Wandern folgt der Gaumenschmaus
Wandern am Hochkönig ist ein Genuss. Ein nur leichtes Auf und Ab in der gesunden Höhe von um die 1.500 Meter. Ziel ist nach gut zwei Stunden die Brandstatthütte, wo Christl und Ernst Schwarzenberger für die Gäste da sind. Auf den Holztisch der sonnig gelegenen Almhütte mit Herzerl-WC vor der Tür kommt allerlei Käse, Schinken, Speck, ein herzhaftes Bauernbrot und eine Leberknödelsuppe – lecker. Gegen den Durst hilft ein Hollersaft oder frische Buttermilch. Wer möchte, darf auch Bier oder Wein bestellen. Die Sennersleut sind zufrieden mit sich und der Welt: "Die vier Monate hier oben möchten wir nicht missen."
Die heile Welt der Berge im Salzburger Land. Es überrascht nicht, dass das Gebiet um den Hochkönig bemüht ist, beste Wanderregion Österreichs zu werden. Die Beschilderung ist schon vorbildlich, ebenso die Streckenführungen und Hüttenangebote. Demnächst sollen dann auch noch ein Ausleihservice für Wanderschuhe und Salbenstationen dazukommen. Dann gibt es auf vielen Hütten gegen alle Blasen und Wehwehchen direkt das richtige Gel.
Tipps
Anreise: Per Flugzeug bis Salzburg (Billigflieger), mit Bahn oder Pkw via München nach Salzburg.
Aktivitäten: Über 550 Almen im Salzburger Land, davon 137 zertifizierte Sommerhütten, bieten Wanderern Speis und Trank. Fast immer sind die Schmankerln von den Sennleuten selbst gemacht wie etwa eine "Troadsuppn" oder eiun Honiglempn. Die meisten Hütten haben im Salzburger Almsommer bis September geöffnet.
Angebote: 350 Kilometer, 120 Almen und 31 mit einem blauen Enziansymbol markierte Etappen erwarten den Genusswanderer auf dem Salzburger Almenweg. Der Wanderführer mit genauen Informationen zu allen Etappen kann kostenlos angefordert werden unter
www.salzburger-almenweg.at. Ab fünf Etappen gibt’s Wandernadeln. Einzelne Orte bieten auch Wandern ohne Gepäck an. Wanderungen in Begleitung des Käsesommeliers gibt es an ausgesuchten Terminen im Pauschalpaket mit 3 Ü/HP (ab 199 Euro).
Auskunft: Salzburger-Land-Tourismus, A-5300 Hallwang,
www.salzburgerland.com;
www.almsommer.com.