Ein Herbsttag im Hafen von Villefranche-sur-Mer. Es ist der dritte Tag einer Mittelmeerkreuzfahrt mit "Mein Schiff". Vor uns donnert die Regionalbahn vorbei nach Nizza. Die meisten Passagiere allerdings haben einen der 13 Ausflugsbusse bestiegen, die sie an die Strände der Schönen und Reichen nach Nizza und Cannes bringen, in Museen, wo sie Malergenies auf den Spuren des Lichts folgen, oder nach Grasse, um an Lavendelfeldern zu schnuppern.
Ein Ehepaar aus dem Münsterland war heute Morgen Matisse gucken. Die beiden haben aus Anhänglichkeit zur TUI diese Kreuzfahrt gebucht, die sie auf dem Seeweg von Mallorca aus über Barcelona und Villefranche unter anderem nach Ajaccio, Civitavecchia und Cagliari führen wird.
Willkommen auf dem Wohlfühlschiff
Seit jeher verreise man nur mit Deutschlands größtem Reiseveranstalter und steige stets ab in den konzerneigenen Hotels. Nun entspannen die beiden Kunstkenner in einem der Cafés von Villefranche und schauen dabei auf "ihr" Schiff. Der maritimdunkelblaue Riesendampfer liegt auf Reede, ist kitschpostkartengleich dabei umgeben von sanft hin und her dümpelnden kleinen Fischerbötchen. Das "Wohlfühlschiff für Qualität und Genuss" ist jetzt ihre Heimat auf Zeit geworden.
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Korsika steht am nächsten Tag an, Ajaccio. Am Boulevard Daniele Casanova gibt’s Sushi hier und Pizza da, aber wir sehen in den Bistros unsere Mitpassagiere allenfalls Pastis schlürfen. Denn Sushi gibt’s an Bord zum Spottpreis, und auch Antipasti für 20 Euro in Ajaccio an Land zu essen kommt wohl niemandem ernsthaft in den Sinn. Dann lieber an einen der Stadtstrände gehen wie jenen gegenüber der St.-Joseph-Privatschule und den schönsten Ausblick auf das smaragdgrüne Meer genießen. Man kommt sich vor wie alleine auf der Welt und hat dabei die Sicherheit, dass nur einen Steinwurf entfernt "Mein Schiff", mein sicherer Hafen, mit meinem bequemen Bett, meiner sauberen Dusche, "meinem" Spa mit der La-Mer-Luxus-Anwendung auf uns wartet.
Im Spa sehen wir auch die Geschäftsfrau aus der Hauptstadt wieder, die sich gestern so freute darüber, dass ihre Kabine auf "Mein Schiff" deutlich geräumiger sei als die auf dem Traumschiff.
Termin bei der Bordschönheitschirurgin
Nach dem Motto "Mein Mann macht heute die Biking-Tour ins Gebirge, machen Sie mal" hat sie einen Termin bei der Bordschönheitschirurgin erbeten. Deren Vision: ein ganzes Schiff nur für die Schönheit. "Nein, wir führen keine OPs hier durch – wegen des eventuellen Seegangs", beruhigt uns dann diese Wunschfee aller reifen Damen während einer Informationsstunde.
Wir nehmen Abschied von Ajaccio, während die Schönheitsexpertin die Substanzen aufzählt, die sie so spritzt zwecks Glättungseffekts.
Aber für viele Kreuzfahrer gibt es ganz andere Höhepunkte als die persönliche Optik. All die der Schönheit dienenden kleinen Tricks sind allerdings längst nicht so romantisch wie das Sternegucken auf eigenem Balkon, der eigenen Riesenveranda, die Platz bietet für Hängematte, Liegen, Sitzgruppe.
Jedenfalls auf dieser Mittelmeerreise mit ihren täglichen Ausflügen, die die Gäste wohl ebenso begeisterten wie ermüdeten. "Vor allem den Trip nach Rom werden wir nie, nie vergessen", seufzt ein Kreuzfahrtpärchen glücklich, aber ermattet nach dem Acht-Stunden-Törn von Civitavecchia, wo "Mein Schiff" am fünften Tag ihrer Reise festmachte, während es diskutiert, ob man sich nun ins "Surf and Turf" begebe, in "Richards Feine Küche", lieber Fisch bei "Gosch", italienisch oder Tex-Mex genießen oder einfach "nur" am Buffet eines der vielen Gerichte zu sich nehmen wolle. Um danach trotz aller Müdigkeit Gespräche mit neuen Freunden zu führen an einer der zwölf Bars.
Eine ganz besondere Atmosphäre
Vor etlichen Jahren waren die Hannoveraner auf einem anderen Erlebniskreuzfahrtschiff. Und sind jetzt unglaublich begeistert von "Mein Schiff": "Dieses Schiff hat uns sofort berührt. Es besitzt Herz und eine Aura. Eine ganz besondere Atmosphäre."
Vor allem in der "Himmel-und-Meer-Lounge" auf Deck 12 und in der X-Lounge, letztere den Bewohnern der Suiten vorbehalten. Es sei nicht nur der Sekt, nicht der Feta-Lachs und der Forellenkaviar schon zum Frühstück, der sie hier so das Schiff genießen lässt. Es ist der Ausblick aus den raumhohen Panoramafenstern der beiden Lounges hinunter aufs Meer. In der Tat. Ein betörender Ausblick, der den Reisenden glatt aus dem Hier und Jetzt katapultiert, seine Gedanken zum Tanzen bringt und den Wunsch aufkommen lässt, die Zeit auf "Meinem Schiff" möge doch stillstehen.