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22.01.2010
Muslime fühlen sich beleidigt - Welle der Empörung nach Islamkritik von Bielefelder Professor
Bielefeld. Die Auseinandersetzung zwischen dem Bielefelder Soziologieprofessor Heinz Gess und der Islamischen Religionsgemeinschaft nimmt harte Formen an. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft in Hannover gegen Gess wegen Volksverhetzung und anderer Delikte. Anlass für das Verfahren sei eine Anzeige des Präsidenten der Islamischen Religionsgemeinschaft, Abdurrahim Vural, sagte eine Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde.

Vural habe die Anzeige auch bei anderen Staatsanwaltschaften, zum Beispiel in Mannheim und Cottbus, erstattet – man habe das Verfahren nun in Hannover zusammengefasst. Umgekehrt hat auch Gess Strafantrag gegen Vural wegen Bedrohung gestellt; er fühlt sich von der Islamischen Religionsgemeinschaft verfolgt. Hier ermittelt die Bielefelder Staatsanwaltschaft. Wie berichtet, hatte der Soziologieprofessor, der an der Fachhochschule Bielefeld lehrt, den Islam in seiner gegenwärtigen Form als "kollektive Zwangsneurose" bezeichnet. Der Begriff knüpft an die Religionskritik von Sigmund Freud an. Gess will nach eigenem Bekunden einen Beitrag zum kritischen Diskurs über den Islam liefern. Seine Worte lösen unter Muslimen jedoch einen Sturm der Entrüstung aus. "Wir fühlen uns sehr beleidigt", sagt Mehmet Ayhan, Sprecher der Islamischen Religionsgemeinschaft. Täglich erhalte seine Organisation Dutzende E-Mails, die Absender seien empört. "Dieser Mann ist eine Ameise. Er hat an einer Hochschule nichts zu suchen", fordert Ayhan. Gess müsse "hart bestraft" werden – die Islamische Religionsgemeinschaft vertraue diesbezüglich aber auf den deutschen Rechtsstaat, sagte Ayhan. Gess fühlt sich verunglimpft. Ein Anwalt der Islamischen Religionsgemeinschaft hat ihn sogar als "Rotzlöffel" bezeichnet.



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