Löhne/Herford. Das Ende kam, als zwei Großkunden absprangen: Die Fennel Technologies AG gab den Kampf ums Überleben auf. Einer der beiden Großkunden aber, der Autohersteller BMW, weist die im Anschluss erhobenen Vorwürfe der FTAG zurück. Man habe den Auftrag nicht wegen der unsicheren Lage gekündigt, heißt es München.
Hintergrund der Entscheidung ist das Thema Galvanik gewesen. Bei der wird durch ein elektrolytisches Bad Strom geschickt. Am Pluspol befindet sich das Metall, das aufgebracht werden soll (Nickel, Kupfer, Chrom), am Minuspol der zu beschichtende Gegenstand. Eine Galvanik stand der FTAG nach Auflösung der Balda-Gruppe nicht mehr zur Verfügung.
Das Galvanisieren übernahm stattdessen die Heinze-Gruppe in Herford, früher ebenfalls Balda. Die Teile für BMW stellte Heinze als Subunternehmer her. Die FTAG übernahm Entwicklung, Qualitätssicherung und Logistik.
"Doch für uns war wichtig, dass die FTAG selbst eine Galvanik aufbaut", erklärt ein hochrangiger Mitarbeiter des Einkaufs bei BMW. Schließlich habe die FTAG 90 Prozent ihres Umsatzes mit galvanisierten Teilen gemacht. Die Forderung habe man schon vor Jahren gestellt. Im November 2008 habe man nach vielen Gesprächen dem Unternehmen eine Frist bis März 2009 gesetzt. "Doch es tat sich nichts. Dann haben wir Konsequenzen gezogen", so BMW. Grundlage für Neuprojekte war eine vertragliche Regelung zur Beschaffung einer Galvanik.
Der FTAG-Vorstandsvorsitzende Dr. Friedrich-Joachim Falcke sieht das anders: "Wir standen kurz vor dem Zukauf eines Galvanikunternehmens, als uns die Krise ausgebremst hat." Auch habe der potenzielle Investor Pläne in dieser Richtung im Konzept aufgeführt. Von BMW heißt es, die Pläne seien nie konkret gewesen. Man habe nicht mehr warten können. In diesen Zusammenhang betont BMW aber, dass man mit dem Insolvenzverwalter gut zusammengearbeitet habe.
BMW hat die Aufträge, die bislang die FTAG bekam, an die Heinze-Gruppe vergeben. "In der momentanen Wirtschaftskrise stärken diese Aufträge unsere Gruppe enorm", sagt Vertriebsmanager Paul Lackmann. Die Produktionsübernahme der hochwertigen Bauteile sei für Heinze leistbar. Es handelt sich um verchromte Dekorleisten für den Innenbereich der BMW-Typen X5 und X6. "Die Bauteile wurden bereits im Auftrag von FTAG in unserer Gruppe produziert.". Zur Heinze-Gruppe gehören die Galvanik-Betriebe Hero Galvanik und SMK.
Der frühere FTAG-Auftrag beläuft sich nun auf ein Volumen von 16 Millionen Euro. Hinzu kommt ein weiterer, neuer Auftrag über 15 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um Dekorleisten für den neuen 5er BMW.
Der BMW-Mitarbeiter bekräftigt, man halte an Ostwestfalen als Produktionsstandort fest. Man habe bislang mit Heinze indirekt vertrauensvoll zusammengearbeitet und wolle dies nun ausbauen. "Die hohe Qualität ist in der Region einfach gewährleistet", so der BMW-Mitarbeiter. Er hoffe, dass die qualifizierten Mitarbeiter der insolventen FTAG in der Region bei anderen Unternehmen Arbeit finden.
Die Heinze-Gruppe lebt zu rund 75 Prozent von der Automobilindustrie. Durch die Krise auf dem Absatzmarkt verspüre man einen Produktionsrückgang, sagt Paul Lackmann. Diesen versuche man durch Kurzarbeit abzufangen.
FTAG-Chef Friedrich-Joachim Falcke erklärt unterdessen, dass der BMW-Auftrag für das Fennel-Aus nicht entscheidend gewesen sei: "Das Rückzug von VW hat uns viel härter getroffen. Ohne BMW wären wir schon noch ausgekommen."