Die meisten Menschen machen Party / Polizei nimmt 30 überwiegend Jugendliche in Gewahrsam
Bad Oeynhausen. Es soll auch Väter gegeben haben. Der 25-jährige Benno durfte sich zumindestens als werdender Papa fühlen. "In drei Monaten ist’s soweit." Zum Vatertag hatte er eine Babykarre mitgeschleppt, in der eine Puppe saß. Knollennase, grüner Strampler, orangene Haare. "Der heißt Hubert." Am Namen für sein Kind werde noch gearbeitet. Aber nicht am Vatertag. "Da wird gefeiert."
Andere Ausflügler hatten massivere – oftmals phantasievolle – Fahrzeuge im Einsatz. Mit Sonnenschirm, Lautsprechern und Musikanlage, Bierfässern und Zapfhähnen bestückt. Mitunter kokelte Holzkohle am mitgezogen Wagen, der bei einer Gruppe deswegen "Bollergrill" hieß. Gemeinsames Ziel war der Siel, wo zum vierten Mal Bad Oeynhausen Vatertag feierte.
Vornehmlich Jüngere waren es, die sich an der Saline trafen, um sehen und gesehen zu werden. "Es waren ganz viele Leute da, die habe ich nach Jahren wiedergetroffen", freute sich Verena Kölling, die sich ihrer Gruppe angepasst hatte und ein himmelblaues T-Shirt trug. Bedruckt war es ebenso wie der mitgebrachte Bollerwagen mit dem netten Spruch: "Der Weg ist das Ziel. Mal sehen, wie weit wa kommen."
Wohin der Weg führen sollte, war vom 18-jährigen Jonas vorgegeben, der sich und seinen Kumpels T-Shirts aus dem Internet besorgt hatte, auf denen die Nachbildung eines gelben Ortsausgangsschilds zu sehen war. Unten ein durchgestrichenes "Nüchtern" und oben das mit einem Pfeil versehene "Voll".
Daran orientierten sich einige der laut Polizei geschätzten 2.000 Feiernden im Sielpark all zu offensichtlich. Die durch vier Dortmunder Reiter, mehrere aus Lippe, Minden und Herford angerückte Hundeführer sowie eine Bielefelder Bereitschaftseinheit verstärkten Ordnungshüter nahmen im Lauf des Donnerstagnachmittags 30 überwiegend Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren in Gewahrsam. Gegen rund 50 Personen sprachen die Beamten einen Platzverweis aus. "Größere Schlägereien", so Polizeisprecher Ralf Steinmeier, "wurden aber verhindert."
Auch in der Innenstadt sowie am Rehmer Anleger trafen sich mehrere hundert Feiernde. Der neue Leiter der Polizeiwache, Bernd Marsch, zeigte sich am Ende des Tages zufrieden. "Unser Konzept ist aufgegangen. Wir haben immer dort schnell und konsequent eingriffen, wo sich Auseinandersetzungen anbahnten. So blieb es bei kleineren, vereinzelten Übergriffen. Schwer verletzt wurde niemand."
Dennoch kamen die Rettungswagen der Feuerwache mehrfach zum Einsatz. Unter anderem musste ein 48-Jähriger Bad Oeynhausener ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem er zuvor versucht hatte, in Höhe des Kokturkanals durch die Werre zu schwimmen und dabei zu ertrinken drohte. Ein 28-Jähriger konnte den Mann retten.
Während sich ab 19 Uhr die meisten Vatertags-Feiernden im Sielpark wieder auf den Heimweg machten, wurde in der City noch weit in die Nacht gefeiert. Polizeichef Bernd Marsch zog ein positives Fazit: "Der weitaus überwiegende Teil der Menschen hat Party gemacht."