Industrie- und Handelskammern veranstalten Kontaktbörse für Ideen in der Kurstadt
Bad Oeynhausen. Sichten, tasten, riechen. Das reichte Turhan Günaydin beim Obst-Einkauf nicht aus. Der Diplom-Ingenieur wollte der Qualität von Früchten mit physikalischer Messung auf den Grund gehen und entwickelte einen Apparat, der ähnlich groß wie eine Zigarettenschachtel ist und der mittels Sensoren verrät, in welchem Zustand sich das Produkt befindet. Gestern führte der Bielefelder seine Erfindung an einer Wassermelone vor. Und, siehe da: alles frisch.
Frisch waren auch die weiteren Errungenschaften auf der Kontaktbörse für Ideen, Chancenkapital und Know-how (KICK) die die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) gemeinsam mit den IHKs aus Detmold, Münster und Osnabrück im Innovationszentrum Fennel (IZF) vorstellte.
Uwe Lück, Referent für Technologie und Innovation bei der IHK Ostwestfalen, erläuterte den Anlass: "Gesucht werden Unternehmer, die beim Marktstart innovative Ideen aus jungen Firmen, von freien Forschern oder aus Hochschulen unterstützen." Zum zwölften Mal wurde diese Veranstaltung ausgerichtet, zum ersten Mal in Bad Oeynhausen. Lück: "Das ist hier optimal und von allen Seiten gut zu erreichen."
Insgesamt 53 Ideen und Förderprogramme wurden bei der KICK gezeigt. So zum Beispiel ein Sekretär des 21. Jahrhunderts mit integriertem Computer, eine Pkw-Anhänger-Anfahrthilfe, Duftblumenerde, eine Lösung für den Hitzestau im Auto oder Unterarmauflagen für Sitzmöbel. "Das muss nicht immer High-Tech sein", staunte IZF-Geschäftsführer Lothar Terno, "hier gibt’s ne’ ganze Menge Handfestes. Das ist schon beeindruckend." Gefallen haben dürfte Terno ein Grill-System namens "Braternoster", das Ernst Koers präsentierte und bei dem in einem Ofen Grillgut rotierte. Was auf den ersten Blick Erstaunen hervorrief, entpuppte sich auf Nachfrage als logische Entwicklung. Der Sauerländer war selbstständiger Schlosser in der Fördertechnik gewesen und ist heute als 68-Jähriger Mitglied im Erfinderclub Osnabrück. "Ich bin noch nicht so alt, dass ich vorm Postschalter stehe und andere Leute blockiere."
Aufmerksamkeit wird vor allem bei Eltern eine Spielinsel gefunden haben, die auf den ersten Blick wie eine ausgelegte runde Deck aussah und die in Wirklichkeit ein Klappsystem fürs Kinderzimmer war. Erfinderin Antonia Brack aus Melle hatte sich oft über herumliegende Spielzeugteile geärgert - und dann reagiert: "Die Kinder dürfen auf der Decke spielen, eine erhöhte Kante verhindert, dass einzelne Steine beim Basteln aus dem Kreis rutschen. Durch in die Decke eingebauten weichen Plastikteile kann man diese runde Spielfläche kinderleicht zu einem Kasten formen in dem die Spielsteine genug Platz haben." Auch Antonia Brack hat eine Vorgeschichte: Sie ist Mutter - von drei inzwischen fast erwachsenen Söhnen.
Antonia Brack, Turhan Günaydin oder Ernst Koers ging es bei der KICK um Kontakte. Sie bewegten sich damit auf der gleichen Ebene, wie Heinrich Krahn, der nicht nur einen Schneeschieber auf Rollen sondern gleich 14 weitere innovative Produkte mitgebracht hatte. Der Erfinder aus Baunatal bei Kassel fasste die Schwierigkeiten der möglichen Vermarkter knapp zusammen: "Den Leuten fehlt das Geld."
Rund 100 Firmenvertreter nutzten dennoch die Gelegenheit zur direkten Kontaktaufnahme. "Wir wollen es nicht weiter dem Zufall überlassen, dass sich die richtigen Partner für die erfolgreiche Umsetzung guter Ideen in neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren treffen", erläuterte Uwe Lück das Ziel der Ideenbörse.