Die siebenjährige Noran wartet im Bad Oeynhausener Herzzentrum auf eine Transplantation
Bad Oeynhausen. Um Norans Bett reihen sich zahlreiche Teddys, ein kleiner Plüschhund und ihre Lieblingsbarbie mit den langen blonden Haaren. An den Wänden hängen bunte Bilder und Fotos von ihr und der Familie. Das Mädchen liegt aber nicht in ihrem Kinderzimmer. Noran befindet sich auf der Kinderstation im Bad Oeynhausener Herzzentrum. Dass sie schwer krank ist, ist der 7-jährigen aus Gütersloh nicht bewusst – Noran wartet auf ein neues Herz.
"In dem Alter ist Kindern eine so schwere Erkrankung, schwer zu vermitteln", weiß Dr. Deniz Kececioglu, Kinderkardiologe am Herz- und Diabeteszentrum. Noran leidet an einer angeborenen Pumpschwäche des Herzens. Ihr Herz bringt nicht mehr genügend Leistung. "Das Herz vergrößert sich, dadurch, leiert es aus und die Muskelfasern gehen kaputt", erklärt der Direktor des Kinderherzzentrums.
Vor 55 Tagen setzten die Ärzte dem Mädchen ein künstliches Herzunterstützungssystem ein. Bis zur Transplantation sorgt das Gerät für eine ausreichende Versorgung.
Ärzte entdeckten Norans Krankheit vor rund anderthalb Jahren. "Sie hatte Bauchschmerzen und fühlte sich nicht gut", erklärt Norans Mutter Fatme Pasa-Oglou, die gebürtige Griechin ist.
"Bauchschmerzen ist bei Kindern mit Herzproblemen häufig eine Begleiterscheinung", weiß Dr. Kececioglu.
Die Eltern und Verwandten von Noran besuchen das Mädchen so oft wie möglich. "Gerade die Mütter verbringen fast ihre gesamte Zeit im Krankenhaus", erzählt der Kinderkardiologe. Noran lässt sich ihre Erkrankung nicht anmerken. Sie wirkt fröhlich und munter.
"Doch reden macht ihr keinen Spaß. Sie ist ein wenig verschlossen", berichtet Kececiouglu. Die 7-Jährige vermisst auf der Station ihre zwei Freundinnen, die vor einiger Zeit ein neues Herz erhielten. "Die drei waren eine kleine, eingeschworene Truppe gleichen Alters", sagt der Herzexperte. "Jetzt fragt Noran, wann sie endlich auch ein neues Herz bekommt", hat Deniz Kececioglu erkannt.
Das kleine Mädchen aus Gütersloh steht nun seit rund neun Monaten bei Eurotransplant im holländischen Leiden auf der Transplantationsliste. Die Organisation vermittelt und koordiniert den internationalen Austausch von Spenderorganen in einem Einzugsgebiet, in dem 124 Millionen Menschen leben. Wann Noran ein neues Herz erhält, wissen die Ärzte nicht.
"Wir erfahren das erst kurzfristig. Wenn es soweit ist, fährt ein Entnahmeteam von uns in das jeweilige Krankenhaus, entnimmt das Herz und bringt es zu uns", erklärt der Fachmann. Zwischen den Operationen bei Spender und Empfänger dürfen nicht mehr als vier Stunden vergehen. "Je frischer das Herz, desto besser für den Erfolg der Transplantation", erklärt der Herzexperte.
Die Transplantation an sich, sei gar nicht mal eine so schwere Operation. Schwieriger sei es, ein passendes Herz zu finden. "Spender und Empfänger müssen die gleiche Blutgruppe haben, zudem sollten das Alter und Gewicht in etwa übereinstimmen", erklärt der Herzkardiologe. Noran ist noch auf das Herzunterstützungssystem angewiesen. Doch diese Hilfe ist keine Dauerlösung. "Am besten wäre es, wenn Noran schnell ein neues Herz erhält", sagt der Herzexperte.
Kececioglu weiß: "Es sterben noch immer viele Patienten, da sie nicht rechtzeitig ein neues Herz erhalten." Am Bad Oeynhausener Herzzentrum sei der Bedarf dreimal so hoch, wie das Angebot an Herzen. Es würden noch immer zu wenig Organe gespendet.
"Doch nur durch die Spenden, kann das Leben anderer Menschen gerettet werden", sagt Dr. Deniz Keceiouglu.