Bad Oeynhausen als Opel-Standort endgültig Geschichte / Gestern letzter Arbeitstag in Rehme
Bad Oeynhausen. Von Trauer keine Spur. "Wir sind erleichtert, dass das jetzt vorbei ist", bekennt Betriebsratsvorsitzender Nedim Belgeli. "Das war nicht mehr angenehm, allein schon dieser Druck." Fast ein Jahr sorgten er sich und 26 festangestellte Beschäftigte sowie sechs Teilzeitkräfte der Opel-Niederlassung MAG-Corsmann um die berufliche Zukunft. Nach zwischenzeitlicher Hoffnung nun zum 30. Juni das endgültige Aus.
Pünktlich um 12 Uhr wurden ein letztes Mal die Lohnabrechnungen verteilt. "Ich muss erstmal gucken, ob alles korrekt ist", raunte Siggi Ekelhoff, der 43 Jahre alt und 18 Jahre bei Opel in Rehme beschäftigt gewesen ist. "Das Geld ist immer pünktlich gekommen", lenkte Kollegin Beate Brandt ein, die 48 Jahre ist und in einem Vierteljahr auf 20-jährige Betriebszugehörigkeit bei Opel hätte blicken können. Darüber konnte Horst Patzer nur müde schmunzeln. "Ich bin seit 44 Jahren hier", bekannte der 58-jährige Kraftfahrzeug-Mechaniker.
Er und die anderen Beschäftigen finden sich für die nächsten zwölf Monate in einer Transfergesellschaft wieder. Finanzielle Einbußen übernimmt Corsmann. "Das ist das Ergebnis von Verhandlungen, bei der uns die Gewerkschaft und Anwalt Stefan Chatziparaskewas unterstützt haben", erklärte Nedim Belgeli, der einer von 17 Mitarbeitern ist, die sich nun eine neue Beschäftigung suchen müssen. Lediglich fünf Kollegen sowie drei Auszubildende werden von MAG-Corsmann an anderen Standorten übernommen.
Im August vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass die Betriebsleitung um Geschäftsführer Frank Terbeck Rehme wegen "fehlender Wirtschaftlichkeit" schließen wolle (die NW berichtete). Zudem handele es sich um "einen unattraktiven Standort" (Terbeck). Zunächst sollte der Betrieb zum Jahresende geschlossen werden, was Gewerkschaftssekretär Lutz Schäffer von der IG Metall rückblickend als "arbeitsrechtlich sehr ambitioniert" bezeichnete.
Der Pachtvertrag für die Immobilie an der Adam-Opel-Straße läuft im kommenden Jahr aus. Kunden sind ersatzweise die Corsmann-Niederlassungen in Vlotho, Porta Westfalica und Löhne-Gohfeld empfohlen worden. Die Geschäftsleitung war gestern zu einer Stellungsnahme gegenüber dieser Zeitung nicht zu erreichen. Im Jahr 2000 hatte die Herforder Corsmann-Gruppe (MAG) den Betrieb in Rehme übernommen. MAG gehört dem Unternehmer Reiner Metz, der im Berliner, Frankfurter, Düsseldorfer und Braunschweiger Raum sowie in Ostwestfalen-Lippe mit Opel präsent ist.
Die zuletzt verbliebenen Mitarbeiter feierten ihren Abschied gestern mit einem Grillnachmittag. "Jetzt hat man wieder eine Perspektive", atmete Siggi Ekelhoff durch. "Danke noch einmal an alle Kunden", schloss Beate Brandt.
Die Würstchen zur Abschiedsparty wollte Geschäftsführer Frank Terbeck spendieren. "Darauf haben wir verzichtet. Wir zahlen Bier und Grillgut selber", empörte sich Betriebsratsvorsitzender Nedim Belgeli. Auf solche Zuwendungen könne er verzichten. "Nein danke!"