Im Kreisgebiet tauchen verstärkt gefälschte 20-Euro-Scheine auf / Auch Bad Oeynhausen betroffen
Bad Oeynhausen. Erika Burmester ist von Natur aus vorsichtig. Mit einem Spezial-Stift markiert die Chefin der Rehmer Grillstube jeden 50-Euro-Schein. Der ist für sie echt, sobald ihr Kreuz farblos bleibt. Verfärbt sich das Zeichen schwarz, dann gibt Erika Burmester das Geld freundlich aber bestimmt zurück. "Einmal ist das schon vorgekommen. Wobei ich aber nicht weiß, ob der Schein wirklich falsch war."
Inzwischen muss die Rehmerin noch ein bisschen mehr aufpassen. Denn die Polizei warnt aktuell vor 20-Euro-Scheinen, die in Wirklichkeit "Falsche Fuffziger" sind.
"Europaweit ist Falschgeld im Umlauf, das hat sich mittlerweile herumgesprochen", sagt Werner Wojahn von der Kreispolizei-Behörde in Minden. Bundesweit werde die 50-Euro-Note am häufigsten gefälscht.
Inzwischen tauchen verstärkt gefälschte 20-Euro-Geldscheine im Kreisgebiet auf. Konkret waren es im Jahr 2009 bislang 22 Falsifikate. Im Januar ein Exemplar in Bad Oeynhausen, im März eines in Espelkamp, im April fiel eine Serie von 16 falschen Noten auf (sechs in Minden, vier in Lübbecke, zwei in Porta Westfalica, drei in Rahden, einer in Hille), im Mai zwei in Minden und eine in Bad Oeynhausen. Die letzte Fälschung wurde im Juni in Porta Westfalica sichergestellt. Im Juli wurde bislang kein Falsifikat entdeckt.
"Offensichtlich wird in unseren Breiten die 20-Euro-Note von Fälschern favorisiert. Vielleicht fügt sich ein 20er unauffälliger in den Geldstrom ein", vermutet Burghardt Lübker, Polizeihauptkommissar und Fachmann für Falschgeld bei der Kreispolizei.
An folgenden Kriterien lasse sich ein Falsifikat zweifelsfrei feststellen: Ein Perlglanzstreifen auf der Rückseite der Note, und zwar in deren Mitte. Dieses Merkmal, das auch beim Waschen nicht verschwindet, tragen die 5-Euro, 10-Euro und 20-Euro-Scheine. Wojahn: "Dieser Perlglanzstreifen fehlte jeweils bei den aufgetretenen relativ guten Fälschungen."
Für die höherwertigen Scheine haben die Ordnungshüter einen Tipp parat: Die echten 50-Euro-, 100-Euro-, 200-Euro- und 500-Euro-Scheine können unter anderem an dem Kippeffekt der Wertzahl (rechts unten auf der Rückseite des Geldscheines) erkannt werden. Die Wertzahl verändert beim Kippen ihre Farbe von purpurrot über olivgrün oder braun.
Wobei Burghardt Lübker darauf hinweist, dass der oft verwendete Begriff der "Blüten" in diesem Fall nicht zutrifft: "Bei den ,Blüten' handelt es sich um Drucksachen, die Geld ähnlich sehen und die auch nicht als Zahlungsmittel verwendet werden sollen."
So einfach diese Erklärung, so schwierig das Verhalten, wenn ein "Falscher Fuffziger" unerkannt im eigenen Portmonee steckt. "Die Weitergabe von Falschgeld ist strafbar", macht Lübker unmissverständlich deutlich. Schwierig werde es, wenn so ein Schein aus einem Geldautomaten von Bank oder Sparkasse gezogen wird. "Das soll schon mal vorgekommen sein. Das ist dann in aller Regel schwierig. "
Doch für diese Situation gibt Arndt Viering von der Stadtsparkasse Bad Oeynhausen Entwarnung: "Unsere Geldautomaten werden direkt von der Landeszentralbank bestückt. Mittels Kontrolltechnik wird jeder Schein direkt vor der Ausgabe überprüft. Sollte dennoch ein falscher Schein darunter sein, dann stoppt der Geldautomat automatisch den Vorgang, die EC-Karte wird ausgegeben. Es entsteht dem Kunden kein Schaden, er erhält lediglich an diesem Automaten und in diesem Moment kein Geld mehr."
Bei einem Schnell-Restaurant sowie in einem Drogeriemarkt war in Bad Oeynhausen bislang das betreffende Falschgeld gefunden worden - in der Rehmer Grillstube noch nicht. Dort machte die Chefin gestern schnell noch ein Kontrollkreuzchen. Auf einem normalen Stück Papier. Doch auch dort blieb die Markierung hartnäckig durchsichtig.
"Vielleicht sollten wir uns einmal einen neuen Stift anschaffen", formulierte Erika Burmester vorsichtig, um ihren nächsten 20er für einmal Pommes rot, Curry-Wurst-Pommes weiß sowie Schaschlik-Pommes vor dem Abrechnen gegen das Licht der Neonröhre zu halten. Sicher ist sicher.