In Hamburg festgenommene Gangster sollen auch Bad Oeynhausener Blitzüberfall begangen haben
Bad Oeynhausen/Hamburg. So richtig kann Günter Plach die Ereignisse vom 11. November 2003 nicht verdrängen. Zu tief sitzt das Erlebte. Bei einem Blitzüberfall hatten Unbekannte am helllichten Tag Uhren und Schmuck im Wert von mehreren zehntausend Euro aus seinem Geschäft an der Klosterstraße geraubt (die NW berichtete). Jetzt werden Erinnerungen geweckt: Hamburger Polizisten schnappten eine Bande von Schwerverbrechern, die auch für den Bad Oeynhausener Fall verantwortlich gemacht werden.
"Da schaudert es einen", beschreibt der 64-Jährige sein Empfinden. Aufmerksam verfolgt der Seniorchef die Berichterstattung in den Hamburger Medien, die zunächst von der "Rolex-Bande" schrieben und inzwischen auf den Polizei-Jargon umgeschwenkt sind. Jagd wird nun auf die "Pink Panther" gemacht. Denn so heißt in Kreisen der Ermittler die auf 200 Mitglieder geschätzte und aus Serbien stammende Gruppe, die in zehn Jahren Ware im Wert von weit über 150 Millionen Euro geraubt haben soll. Die Bande sei international tätig. "Den Begriff haben ihr englische Kollegen von Scotland Yard verpasst", berichtet ein Sprecher der Hamburger Polizei auf NW-Anfrage. Nach einem Raub in London sollen die Täter einen dicken Brillanten in einer Creme-Dose versteckt haben - wie im Pink-Panther-Film mit Peter Sellers.
"Wir wissen, dass unter anderem 70 bewaffnete Raubüberfälle und Blitzeinbrüche in Österreich und Deutschland auf das Konto der Gruppe gehen. Dazu zählt auch die Tat in Bad Oeynhausen, bei der Ware im Wert von bis zu 450.000 Euro zusammengerafft wurde." Der Sprecher räumt allerdings ein, dass der Blitzeinbruch von der Klosterstraße "bestimmten Personen nicht eindeutig zuzuordnen ist". Denn untereinander herrsche bei der Bande eisernes Schweigen.
Ein weiteres Merkmal dieser Gangster sei die Tatausführung, bei der es immer besonders schnell gehe und bei der nach den Erkenntnissen der Polizei mit Stoppuhr gearbeitet werde. Diese Vermutung lag bereits in Bad Oeynhausen nahe, wo mehrere Maskierte mit einem zuvor gestohlenen dunkelgrünen Kombi in das Fenster des Geschäfts gekracht waren. Während ein Täter mit laufendem Motor im Auto wartete, räumten zwei weitere Räuber in Windeseile große Teile des ausgestellten Schmucks und wertvolle Uhren der Marken Glashütte und Breitling aus.
Juniorchef Stefan Plach wollte die Täter noch an der Flucht hindern und war in den Kombi gesprungen. Doch dort zwang ihn der Fahrer mit vorgehaltener Pistole zum Rückzug.
Mittlerweile hat der 38-jährige Uhrmachermeister, im Gegensatz zu seinemVater, den Überfall verarbeitet. Angst vor einer Wiederholung schlummert nicht in ihm. Wohl auch deswegen, weil die Plachs seitdem ihr Geschäft mit zusätzlichen Pollern schützen. Die sind im Boden der Klosterstraße verankert.
Drei Männer sind jetzt der Hamburger Polizei ins Netz gegangen. Darunter der als skrupellos geltende Ilija B., der international gesucht wurde und der möglicherweise mit in Bad Oeynhausen aktiv war. Die Männer sollen gerade zwei neue Coups vorbereitet haben. Von zwei Haupttätern, beide 21 Jahre alt, fehlt weiter jede Spur. Das gilt auch für die Bad Oeynhausener Beute. Günter Plach: "Von unseren Uhren und dem Schmuck ist nie wieder etwas aufgetaucht."