Bad Oeynhausener Schausteller bringen spektakuläre Loopingbahn auf Hamburger Kirmes an den Start
Bad Oeynhausen/Hamburg. Lange haben sie gegrübelt. Jetzt es raus: "Teststrecke" heißt die Doppel-Looping-Bahn der beiden Bad Oeynhausener Schausteller Thomas Meyer und Theo Rosenzweig. Auf dem Hamburger Volksfest "Sommer-Dom" ist für die Beiden am heutigen Freitag Premiere. Seit drei Wochen läuft der Countdown für den Nervenkitzel.
Langsam, fast behäbig schiebt sich der Zug mit seinen 28 schwarzen Sitzen aus dem Bahnhof auf seine 630 Meter lange Strecke. Dann nimmt das Geschoss Fahrt auf. Schneller, immer schneller. Und höher. Bis auf 28 Meter. Kurz vor dem Gipfel bremst der Schlitten ab.
"Das erhöht den Kick", grinst Thomas Meyer, der seine Kunden mit bis zu 80 Stundenkilometern über ein Gefälle von 45 Grad und Querneigungen von 65 Grad ins Tal rasen und Überschläge überstehen lässt.
Zweimal hintereinander werden die Passagiere in die Sitzschalen des an beiden Seiten offenen Fahrzeugs gedrückt. Rein optisch soll es an die Formel-1 erinnern. Ängstliche Zeitgenossen könnten es im bangen Moment des Kopfstands als fliegende Untertasse empfinden. "Durch unsere Konstruktion wird die Fahrt noch rasanter", freut sich Theo Rosenzweig, der dieses Objekt gemeinsam mit Meyer stemmt.
Immerhin, die werte Kundschaft ist durch Becken-Bügel gesichert. So manifestiert rollt sie durch eine Spitzkehre, taucht durch einen der beiden 14-Meter-Loops noch einmal hindurch, ehe der Wagen schrittweise abgebremst wird.
Nach zwei Minuten ist der Spaß vorbei. "Nervenkitzel", nennen das die beiden Bad Oeynhausener Schausteller, die das Grundgerüst dieser Bahn im vergangenen Jahr als Gebraucht-Anlage in Amerika kauften (die NW berichtete exklusiv).
"Die Chance war gut", erinnert sich Thomas Meyer, "in Deutschland gab es mit den beiden Firmen Barth aus Bonn und Bruch aus Andernach nur zwei Unternehmen, die mit einem Mehrfach-Looping auf deutschen Festplätzen vertreten waren. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste Bruch seine Achterbahn im vergangenen Jahr nach Russland verkaufen. Gleichzeitig stand der Zweier-Looping in den USA zum Verkauf."
Für 1,3 Millionen Euro griffen Meyer/Rosenzweig zu. Im Industriegebiet Mönichhusen wurde der Koloss in den vergangenen Monaten überholt, aufgepeppt, mit knalliger Farbe neu lackiert und in 30 Containern reisefertig gemacht.
Nach vier Wochen Hamburg soll Nürnberg als nächste Spielstätte folgen. Für Ab- und Aufbau bleiben dann vier Tage.
Für den allerersten Aufbau in der Hansestadt hatten sich die Schausteller mit knapp zwei Wochen mehr Zeit genommen. Und dennoch wurde es auf der Ziellinie mächtig knapp. Der Zug-Hersteller aus dem Westerwald hatte bereits eine erste Frist verstreichen lassen, so dass der ursprünglichen Plan mit dem Start auf der Mindener Mai-Messe aufgegeben werden musste.
In Hamburg traf der erste von drei Zügen am Donnerstag vergangener Woche ein. "Freitag und Samstag testeten wir Leerfahrten", sagt Thomas Meyer, der am Sonntag unter realistischen Voraussetzungen voran kommen wollte.
"Da haben wir die ganze Familie reingesetzt" , sagt der 31-Jährige an und zählt locker "Vater Hans, Mutter Ute, Frau Anni und Tante Marlies" auf. "Theo Rosenzweig hat auch mit dringesessen, ich habe die Bahn vom Boden aus gesteuert", schiebt Meyer gut gelaunt hinterher.
Cousin und Kompagnon Theo Rosenzweig zeigt sich gar begeistert: "Die neuen Wagen laufen fast geräuschlos. Die gehen butterweich in die Kurven."
Zuletzt arbeitet das Team noch an der Feinjustierung und am computergesteuerten Ablauf. Mit den Bremsen gibt es Probleme. "Keiner weiß, wie das mit dem Restschwung ist", erklärt Meyer, der heute den TÜV zur Abnahme begrüßt. Vier Prüfer: zwei für die Mechanik, zwei für die Elektronik.
Thomas Meyer ist auf einmal gar nicht mehr so locker. Hier auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg verspürt der Bad Oeynhausener Nervenkitzel: "Welcher Mensch", fragt er allen Ernstes, "lässt sich schon gerne testen?"