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17.08.2009
Da haben wir den Salat!
Seit in einer Rucola-Mischung giftiges Jakobskreuzkraut gefunden wurde, laufen bei der Gärtnerei Ulenburg die Telefone heiß
VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Gefährliche Ähnlichkeit | FOTO: DPA

Löhne. Sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich und sorgen seit ein paar Tagen für Aufregung in deutschen Küchen – Blätter des Rucola-Salats und die des gemeinen Kreuzkrauts, das für Mensch und Tier giftig ist. Ein Kunde des Lebensmitteldiscounters Plus entdeckte Blätter der giftigen Pflanze in einem Rucola-Salat. Der Discounter, sowie die Filialen der Edeka-Gruppe, verkaufen bis auf weiteres keinen Rucola-Salat mehr. Trotzdem sind viele Verbraucher in Sorge. Die Telefone bei der Gärtnerei Ulenburg laufen heiß.

Die Ähnlichkeit ist verblüffend, "aber es gibt Unterschiede", sagt Gärtner Sebastian Mader. Die Blätter des gemeinen Kreuzkrauts sind dunkler, zackiger und in der Regel etwas schmaler. "Ich habe sie zwar noch nicht probiert, aber giftige Pflanzen enthalten Bitterstoffe", erklärt Sebastian Mader. "Wenn es beim Waschen und Putzen des Salats noch nicht auffällt, würde es spätestens beim Essen durch den unangenehmen, bitteren Geschmack auffallen."

Schon vor dem Verzehr bemerkte ein aufmerksamer Kunde des Lebensmitteldiscounters Plus in Langenhagen bei Hannover einen Stängel des gemeinen Kreuzkrauts in einer Rucola-Salatpackung und schickte den Salat an das Pharmazeutische Institut der Universität Bonn. Die Proben enthielten pro 150 Gramm Salat 2.500 Mikrogramm Gift des Kreuzkrauts.

Eine tägliche Höchmenge für Menschen festzulegen, die keine gesundheitlichen Schäden verursacht, sei nicht möglich, sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Sicher ist aber, dass es zuviel Gift war. "Menschliche und tierische Organismen können die Inhaltstoffe nicht abbauen, aber nach einmaligem Verzehr muss man ich als Verbraucher keine Sorgen machen", sagt der Löhner Gärtner Sebastian Mader. Gefährlich wird das gemeine Kreuzkraut, wenn es täglich und über längere Zeit auf dem Speiseplan steht. Lebensbedrohliche Leberschäden und Krebserkrankungen können die Folge sein.

Der Lebensmitteldiscounter Plus hat den Rucola-Salat aus seinem Sortiment genommen. Auch die Edekea-Gruppe hat letzte Woche Rucola aus der Gemüseabteilung verbannt. "Wir haben die Mitteilung bekommen und sofort reagiert", sagt Herbert Placke, Marktleiter des Löhner Marktkaufs. "30 bis 40 Schalen à 100 Gramm haben wir normalerweise im Angebot, aber in den nächsten drei Wochen werden wir keinen Rucola verkaufen", erklärt Frank Fehse, Abteilungsverantwortlicher der Obst- und Gemüseabteilung im Löhner Marktkauf.

Die Angst der Verbraucher können Sebastian Mader und Bettina Wöhning von der Gärtnerei Ulenburg gut verstehen. "Als Laie kann man die Blätter schwer auseinander halten. Die Verunsicherung ist verständlich", sagt Gärtnereimeisterin Bettina Wöhning, die in den letzten Tagen viele unsichere Verbraucher in der Gärtnerei, Geschäften und auf den Wochenmärkten in Bünde, Herford, Bielefeld, Lemgo und Bad Salzuflen beruhigen musste. "Bei konventionellen Gärtnereien kann es zu Verwechslungen kommen, weil mit Maschinen große Mengen geerntet werden. Blätter dann später auszusortieren ist schwieriger, außerdem sind die Arbeiter oft nicht dafür ausgebildet", erklärt Sebastian Mader.

In der Gärtnerei Ulenburg und anderen Gärtnereien mit biologischem Gemüseanbau kann eine Verwechslung von Rucola-Salat mit dem gemeinen Kreuzkraut fast ausgeschlossen werden. "Die Äcker sind vor der Pflanzung frei von Unkraut, außerdem ernten wir per Hand und können leicht erkennen, wenn Unkraut zwischen den Rucola Reihen wächst", sagte Bettina Wöhning.

Die Gärtnerei Ulenburg erntet jedes Jahr 2.400 Kilogramm Rucola, im Moment verkauft die Gärtnerei aber keinen Rucola-Salat. "Das liegt aber daran, dass die Pflanzen die kalten Nächte nicht gut überstehen", erklärt Bettina Wöhning. "Der Zeitpunkt ist natürlich ungünstig. Die Verbraucher schließen falschen Schlüsse und glauben, wir verkaufen aufgrund des Kreuzkrauts nicht mehr", ergänzt Sebastian Mader. Das sei aber nicht der Fall. In drei Wochen gibt es wieder frischen Rucola-Salat aus Löhne, den man nach genauem Hinsehen wieder ohne Bedenken genießen kann.


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