Bad Oeynhausen. Den Weg zum Tatort fanden die Bielefelder Ermittler mittels Navigationsgerät: "Kappenberger Straße" tippten sie in das an der Frontscheibe des weißen Mercedes-Sprinters klebende Tom-Tom und fuhren noch vor Tagesanbruch nach Bad Oeynhausen, wo sie den Frührentner Friedrich K. unter dringendem Tatverdacht festnahmen. Der 62-Jährige soll seine sechs Jahre jüngere Ehefrau Barbara erwürgt haben.
Zu der Familie gehören zwei Töchter, sowie ein geistig und körperlich behinderter Sohn mit Down-Syndrom. Während die eine Tochter inzwischen ausgezogen ist, leben deren Schwester und Bruder mit ihren Eltern in dem über einen Schotterweg zu erreichenden Gebäude im Erdgeschoss. In der Etage darüber wohnt die alleinstehende Tante, die Schwester des Tatverdächtigen.
Das Ehedrama der auf dem Kappenberg alteingesessenen Familie hatte sich mitten in der Nacht ereignet. Nach ersten Erkenntnissen war der frühere Elektriker zur Tatzeit betrunken. Die Polizei gab dazu bekannt: "Fest steht, dass der Mann zum Zeitpunkt seiner Festnahme stark alkoholisiert war und einen verwirrten Eindruck auf die Beamten machte."
Der Tatverdächtige hatte sich selber um kurz vor 2 Uhr bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt, dass seine Ehefrau vermutlich tot sei. Laut gemeinsamer Erklärung von Staatsanwaltschaft und Mordkommission Bielefeld heißt es: "Als Polizei und Notarzt an dem Zweifamilienhaus im Ortsteil Lohe eintrafen, konnte der Arzt nur noch den Tod der Frau feststellen."
Die Bielefelder Mordkommission unter Leitung von Arno Wittop nahm sofort die Ermittlungen und Spurensicherung am Tatort auf. Zuständig für den Fall seitens der Staatsanwaltschaft Bielefeld ist Udo Vennewald. "Das Opfer erstickte durch eine massive Halskompression", erklärten Staatsanwalt Vennewald sowie Münsteraner Rechtsmediziner am gestrigen Nachmittag nach Obduktion der Leiche.
Warum der Rentner seine Ehefrau getötet hat, ist derzeit noch unklar. Der 62-Jährige machte bislang keine Angaben gegenüber der Mordkommission.
In der Nachbarschaft gilt Friedrich K. als mitunter jähzornig. Nachbarn verbot er das Betreten seiner Grundstücks-Zufahrt, obwohl diese nur ihre eigenen am Zaun stehenden Obstbäume abernten wollten. Selbst eine der Familie gehörende Weide durfte nicht betreten werden. Ein anderer Nachbar: "Da wollte ich im Herbst mit meinem Sohn nur einen Drachen steigen lassen, da kam er ganz aufgebracht mit dem Auto und drohte mit der Polizei."
Seine gutmütige Seite soll K. seinem Sohn gegenüber gezeigt haben, den er jeden Morgen pünktlich um 7.15 Uhr zum Schulbus begleitete und "bei Wind und Wetter" (so ein Anwohner) auf dessen Ankunft wartete. Am gestrigen Morgen verließ der Sohn schon um 6.30 Uhr das Haus, in Begleitung einer ihn betreuenden Kriminalbeamtin.
Die gehörte mit zu dem Team, das gestern Mittag den weißen Mercedes-Sprinter vor dem Herzzentrum geparkt hatte, weil dort die Leiche der 56-Jährigen obduziert wurde. Ebendort, wo Barbara K. seit 2006 als Putzfrau tätig gewesen war.