Bad Oeynhausen-Lohe (PeSt). Auch einen Tag nach der Tat schwieg der 62-Frührentner, der in der Nacht zum Mittwoch seine sechs Jahre jüngere Frau erwürgt haben soll. Wie inzwischen bekannt wurde, war die Mutter von drei Kindern leblos auf dem Ehebett gefunden worden, nachdem ihr Mann um kurz vor 2 Uhr die Polizei informiert hatte (die NW berichtete).
Gestern Nachmittag war der Mann der Haftrichterin am Amtsgericht Bad Oeynhausen vorgeführt worden, wo er jede Aussage verweigerte. Das wiederum lässt die Ermittler der Bielefelder Mordkommission weiter über das Motiv für das Ehedrama rätseln.
Polizeisprecher Ralf Steinmeier: "Die Beamten der Mordkommission sind derzeit damit beschäftigt sich durch Vernehmungen von Angehörigen und Befragungen im Umfeld des Ehepaares ein Bild zu verschaffen."
Wie diese Zeitung aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters erfuhr, soll dieser seit seinem 57. Lebensjahr wegen eines Rückenleidens zum Frührentner geworden sein. Der Mann habe sich daraufhin zunehmend verändert und isoliert. Zuvor war der gelernte Elektriker als Techniker bei einem Bielefelder Unternehmen beschäftigt gewesen.
Abgeschlossen ist derwel die Spurensicherung in dem Haus an der Kappenberger Straße im Ortsteil Lohe. "Jetzt werden wir die Spuren dem Landeskriminalamt in Düsseldorf zur Auswertung übergeben", sagte der Leiter der Mordkommission, Arno Wittop.
Besonders tragisch ist das Geschehene für den behinderten Sohn. Der 21-Jährige ist inzwischen im Wittekindshof aufgenommen worden. "Wir möchten der Familie und vor allem dem jungen Mann helfen, der in den Wittekindshofer Werkstätten arbeitet. Ihm ist gestern viel genommen worden. Die Kontinuität am Arbeitsplatz und die Menschen, zu denen er dort seit längerer Zeit ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, sind jetzt besonders wichtig", erklärte Anke Marholdt, Wittekindshof-Sprecherin.
Der Betroffene brauche, so Marholdt, "Zeit, Raum und Ruhe, um zu verarbeiten, was eigentlich nicht zu fassen ist." Schon gestern hätten Mitarbeiter aus dem Wohnbereich und vom psychologischen Fachdienst, aber auch Mitbewohner neue Kontakte zu ihm geknüpft.