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25.09.2009
Ein ganz anderer Horizont
Damaris Pietsch war mit dem Deutschen Entwicklungsdienst in Burkina Faso
VON NICOLE SIELERMANN

Ihr Lieblingsbild | FOTO: DAMARIS PIETSCH

Bad Oeynhausen/Ouagadougou. Nein, einen Kulturschock hatte Damaris Pietsch bei ihrer Ankunft im westafrikanischen Burkina Faso nicht. "Der Rückkehr-Schock war viel größer", gibt sie zu. Vor wenigen Wochen ist die 20-Jährige von ihrem einjährigen Aufenthalt in Afrika zurückgekehrt. Und noch immer macht sie einen Spagat zwischen zwei Welten. "Die Umstellung dauert." Mit dem Programm "Weltwärts" des Deutschen Entwicklungsdienstes lernte sie Land und Leute kennen. Und erfuhr, dass sie als alleinstehende Frau auf der untersten Stufe der afrikanischen Gesellschaft steht.

Die Zeit nach dem Abitur wollte Damaris Pietsch sinnvoll nutzen. "Ich wollte mich engagieren - nicht nur Urlaub machen", sagt die Wersterin. Weil sie schon immer neugierig auf die afrikanischen Lebensumstände gewesen sei, habe sie sich für das neue Programm beworben. Anfang August 2008 ging’s los. "Ich wollte ins francophone Afrika - am liebsten nach Togo oder Kamerun." Geschickt wurde sie nach Burkina Faso. Die ehemalige französische Kolonie war ein "ganz anderes Kaliber", sagt Damaris Pietsch. "Es ist mit das ärmste und unterentwickeltste Land." Und das Land, mit der höchsten Abbrecherquote bei den Freiwilligen.

Einfach war die Zeit in der Hauptstadt Ouagadougou nicht. "Als einzige Weiße wird man auf die Hautfarbe reduziert", musste die 20-Jährige erfahren. "Irgendwann denkt man dann selber, oh, da ist ein Weißer." Die ersten acht Monate lebte sie als Gast in der Familie ihres Chefs, dann gründete sie mit einer Kollegin eine Wohngemeinschaft. "Dadurch, dass ich in einer Familie gelebt habe, wurde ich als afrikanische Tochter eingestuft und durfte anfangs überhaupt nichts. Auch eine wirkliche Aufgabe hatte ich zuerst nicht", sagt sie.

Obwohl feststand, dass sie im Kindergarten und in einem HIV-Projekt arbeiten sollte. "Entweder waren Ferien oder Regenzeit." Also blieb ihr Zeit, sich aufs Land einzulassen. "Nach drei Monaten reichte das aber." Die 20-Jährige suchte sich eine Aufgabe - sie drehte einen Film und arbeitete mit Straßenkindern. "Die Arbeit hat in Afrika einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland - sie ist dort nebensächlich." Oftmals reiche die Anwesenheit und das Sitzen am Arbeitsplatz aus.

Vor allem die völlig andere Gesellschaft waren für die 20-Jährige eine Umstellung. Während ihr als Weiße teilweise unglaubliche Fähigkeiten zugetraut wurden (sie sollte eine Solaranlage reparieren), waren die Afrikaner auf der anderen Seite verwundert, dass sie kochte und ihre Wäsche selber mit der Hand wusch. "Dafür haben die Weißen in Afrika sonst Personal."

Bereut hat die Werster Pfarrers Tochter den einjährigen Aufenthalt in Burkina Faso nicht. "Ich würde es noch einmal machen", sagt sie. Auch wenn es sehr, sehr hart gewesen sei. "Aber es war eine Schule des Lebens." Für einen solchen Aufenthalt braucht es nach Ansicht der 20-Jährigen "eine Spur Mut und Naivität". Zudem müsse man flexibel und spontan sein, sich auf die Kultur einlassen können. "Die Geduld lernt man dann schon", sagt sie schmunzelnd. Auf der anderen Seite sei sie Versuchskaninchen des neuen Projektes gewesen. "Es hapert noch an der Umsetzung." Man setze derzeit lieber auf Masse statt Klasse.

In den kommenden Wochen beginnt Damaris Pietsch ihre deutsch-französischen Studien mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Politik sowie interkultureller Kommunikation. Und könnte sich für die Zeit danach einen Job im Entwicklungsdienst vorstellen.

Dafür hat die Studentin viele Erkenntnisse gewonnen. Zum einen, dass Afrika teilweise die Müllhalde Europas ist, zum anderen, dass sich hier kaum jemand für den Kontinent interessiert. Nach ihrer Rückkehr gilt Pietsch bei ihren Freunden manchmal als Spielverderberin. "Ich habe andere Wertvorstellungen bekommen." Man müsse nicht immer shoppen und täglich Fleisch essen. "Ich setze auf Fair-Trade-Produkte, hinterfrage viel und habe einen anderen Horizont bekommen."


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