Löhne. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat mit einer groß angelegten Razzia einen Kinderporno-Ring zerschlagen. Auch in Löhne und Hüllhorst wurden nach Auskunft der zuständigen Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu aus Frankfurt/Main zwei Objekte durchsucht - dabei wurde ein Verdächtiger festgenommen und in Bad Oeynhausen dem Haftrichter vorgeführt.
Insgesamt haben die Ermittler am Dienstagabend gegen neun Initiatoren und Verantwortliche - alles Männer - der Internetforen Haftbefehle vollstreckt. Durchsucht wurden bundesweit 163 Wohnungen und Geschäftsräume von 121 Verdächtigen, wie das BKA in Wiesbaden mitteilt. Die Ermittlungen richten sich laut Auskunft von Möller-Scheu gegen eine deutschsprachige Internet-Gemeinschaft von Pädophilen. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt wurde offenbar Anfang 2009 auf den Ring aufmerksam.
Die Vorwürfe gegen die neun Festgenommenen lauten auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie die Herstellung und Verbreitung kinderpornografischen Materials. Die Verdächtigen wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft außerdem in der Gegend von Passau, Bremen, Lübeck, Zwickau, Mönchengladbach, Lage und in Frankfurt am Main festgenommen.
Zu der Festnahme und den Durchsuchungen in Löhne und Hüllhorst gibt es von Seiten des zuständigen Landeskriminalamtes in Düsseldorf keine weiteren Auskünfte. "Wir stehen erst am Anfang der Ermittlungen - da muss zurzeit noch manches offen bleiben", erklärten die Beamten der dortigen Pressestelle auf Nachfrage der NW.
In mehreren Foren seien Bilder und Erfahrungen über den sexuellen Missbrauch von Kindern ausgetauscht worden. Einige Mitglieder des Kinderporno-Rings hätten die Gewalttaten auch auf Bildern und Videos aufgenommen und dann ins Internet gestellt. "Die Festnahmen sind ein großer Erfolg im Kampf gegen die Kinderpornografie-Szene", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.
Allein in Nordrhein-Westfalen wurden 35 Objekte durchsucht. Dabei wurden, so das Landeskriminalamt in Düsseldorf, 41 Computer, 28 Laptops, 2.859 Datenträger und 87 Videos gefunden und sichergestellt. Bundesweit stellten die 800 Beamten von BKA und Polizei 220 Computer und rund 17.000 digitale Speichermedien (CDs, DVDs und Festplatten) sicher.
Die Ermittlungen seien, so erklärte das BKA, sehr schwierig gewesen, da sich die Mitglieder des Kinderporno-Rings äußerst verschwörerisch verhalten hätten. Die Aktion von BKA und Polizei wurde am Mittwoch fortgesetzt.
Weltweit sind seit Januar dieses Jahres im Auftrag der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main 136 Tatverdächtige ermittelt worden. Durchsucht worden seien daher zeitgleich auch Räume von 15 Verdächtigen in der Schweiz, Österreich, Spanien, Bulgarien, Kanada und den USA, heißt es.