Auf der Suche nach Spuren des Bad Oeynhauseners, der beim Haus-Einsturz in Palma starb
Palma de Mallorca/Bad Oeynhausen. Der Werder-Bremen-Fanschal in der Bar "Gorg Blau" ist die einzige Hinterlassenschaft von Uwe und Wiebke S. in Camp d’en Serralta, dem Arbeiterviertel von Palma. "Uwe liebte Bremen und hasste Bayern München von ganzem Herzen", erinnert sich Wirt Fernando Sánchez lebhaft an den Gast, der aus Bad Oeynhausen stammt und der beim Einsturz eines Hauses am Montag ums Leben gekommen ist (die NW und nw-news.de berichteten).
Sanchez hat eine schwarze Schleife an den Schal geheftet, den ihm sein Freund geschenkt hatte. Ein Freund, über den er eigentlich wenig weiß. Sie hätten ihn immer Kurt genannt, aber laut Zeitung heiße er wohl Uwe, sagt Stammgast Manolo Oliveros, der regelmäßig mit dem Deutschen ein Bierchen getrunken hat, am ersten der beiden Tische in der Cafetería. José Maria Carbalho, ebenfalls Stammgast, sagt nachdenklich: "Wir waren hier für den Tag nach dem Unglück zum Essen verabredet. Er aß gerne Frito Mallorquín" - eine Spezialität aus Kartoffeln und gebratener Leber.
Dieses Unglück hat die Leute ihm Viertel gelähmt. Am frühen Montagmorgen war ein vierstöckiges Haus in der Calle Rodríguez de Arias in sich zusammengebrochen, hatte sieben Menschen in den Tod gerissen, darunter auch den gebürtigen Bad Oeynhausener Uwe S. und seine Frau, die Kielerin Wiebke S.. Sechs Jahre haben die beiden in dem Viertel der Balearenhauptstadt gelebt und sich dort mit ihrer freundlichen Art den Respekt der Anwohner erworben.
Gemeinsam Silvester gefeiert
In der Bar "Tiqui", der zweiten Stammkneipe des deutschen Ehepaares, hat man vor vier Monaten noch den 70. Geburtstag von Uwe S. gefeiert. Das ganze Viertel war eingeladen, es gab Sekt, die Gäste sangen ein Ständchen. "Uwe musste weinen vor Rührung", sagt die Wirtin Montse Pérez. Auch Silvester habe man regelmäßig in der Bar gefeiert. "Die beiden haben hier so viele Fotos gemacht, aber wir haben kein einziges", bedauert Montse Pérez, die Inhaberin. Aus dem Fenster ihrer Bar schaut sie direkt auf die Stelle, wo vor vier Tagen noch das Haus stand, in dem Uwe und Wiebke S. wohnten. Schön hätten sie es sich im dritten Stock eingerichtet, sagt Montses Freund Enrique Jiménez, viele Blumentöpfe und sogar einen Kamin habe es dort gegeben.
"Sie waren sehr glücklich in ihrer Wohnung", sagt Montse. Ihre Schwester Ángeles erzählt, dass man vor einem Jahr bei Uwe einen Tumor an der Wirbelsäule entdeckt habe. Der sei ihm operativ entfernt worden, seitdem konnte er nur noch humpeln, aber er sei immer gut gelaunt gewesen.
In den beiden Kneipen scheint es einen Beliebtheitswettbewerb um die beiden Deutschen gegeben zu haben. Im "Tiqui" servierte man ihnen immer sonntagmorgens um 8 Uhr den Café, im "Gorg Blau" werktags um 9 Uhr, wenn Uwe seine Spanischbrocken rauskramte und "Cariño, un cafecito por favor" ("Liebling, ein Käffchen bitte") zu Kellnerin Iris flötete.
Einladung nach Bremen nie angenommen
Die lebhaften Erinnerungen ebben jedoch ab, wenn es um handfeste Daten geht. Uwe habe "irgendwas mit Informatik" gemacht, sei deswegen häufiger nach Deutschland gefahren. "Er hat mich mal zu einem Fußballspiel nach Bremen eingeladen, aber ich hatte nie Zeit", sagt Sánchez. Jetzt bleibt ihm und den anderen nur noch die Erinnerung- und ein Werder-Schal.
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