Minden. Unter anderem die scharf geladene Pistole ihres verstorbenen Gatten lieferte eine Rentnerin in den vergangenen Tagen nichts ahnend bei der Mindener Polizei ab. Mit Ablauf der Amnestieregelung für illegalen Waffenbesitz zum Jahresende gab es bei der Behörde einen starken Schub an Lang- und Kurzwaffen. Rund 200 weitere Exemplare kamen im Dezember zusammen.
Auch gestern nutzten viele das alte Jahr, um sich noch von Waffen zu trennen. Vor allem Jagd- und Sportwaffen aber auch Hieb- und Stoßwaffen wurden bei den sechs Polizeiwachen der Kreispolizeibehörde abgegeben. Viele der Objekte waren einst bei Haushaltsauflösungen ans Tageslicht gekommen, tauchten bei Umzügen auf und waren Erbstücke. In den vergangenen Tagen standen die Besitzer mitunter Schlange, um sich davon zu trennen.
Joachim Brockmeyer, zuständiger Dezernent bei der Kreispolizeibehörde, zog gestern eine vorläufige Bilanz. Insgesamt seien rund 1.000 Waffen in diesem Jahr abgeliefert worden. Allein 500 davon seien vor dem Hintergrund der Amnestieregelung gebracht worden.
Ein arabisches Steinschlossgewehr
Nach Auskunft von Brockmeyer handelte es sich bei vielen der abgegebenen Waffen um alte, oft auch unbrauchbare Objekte. "Viele sind froh, dass sie die Sachen nun losgeworden sind." Auch Kurioses, wie ein altes arabisches Steinschlossgewehr habe ein Besitzer gebracht.
Doch mitunter kam in den vergangenen Tagen auch Brisantes zur Polizei. So berichtet Andreas Leunig, zuständiger Sachbearbeiter für das Waffenwesen, von einer Rentnerin, die ihm die Pistole ihres verstorbenen Ehemannes brachte. "Es handelte sich um eine Schreckschusspistole, die der Mann offenbar illegal zur scharfen Waffe umgebaut hatte. Das Magazin war noch voll mit Munition." Doch das alles habe die Seniorin nicht gewusst, als sie das schussbereite "Erbstück" zu ihm brachte.
Nach Auskunft der Polizei sind im Kreis 9.000 Waffenbesitzer mit rund 30.000 registrierten Waffen gemeldet. Doch auch nach dem Ende der Amnestie gehen die Beamten von einer Dunkelziffer nicht gemeldeter Gewehre und Pistolen aus. "Ich denke, dass wir noch nicht alles haben", meint Brockmeyer. "Aber wir können mit dem Ergebnis jetzt zufrieden sein."