Kreis Minde-Lübecke. Still ruht der Schnee auf dem schmucken Krankenhaus-Gebäude in Häverstädt. Doch die Ruhe täuscht im Johannes-Wesling-Klinikum.
Hinter der gläsernen Fassade, die, was den Informationsfluss von innen nach außen angeht, dichter ist als dicke Bunkermauern, gärt es. Das Personal spricht nur hinter vorgehaltener Hand mit der "professionellen Öffentlichkeit", weil es Repressalien befürchtet. Denn seit Monaten ist die verordnete Schweigepflicht die erste Mitarbeiterpflicht in dem öffentlich-rechtlichen Krankenhaus, für dessen (finanzielles) Wohl die Bürger des Mühlenkreises geradestehen müssen, da der Kreis Minden-Lübbecke alleiniger Träger ist.
Und dennoch quillt seit einigen Wochen aus den Türen und Fenstern des Vorzeigeobjektes ein Stimmungsbild, das genauso trübe scheint wie die finanzielle Situation dieses Klinikums, das zum Verbund der Mühlenkreiskliniken AöR (MKK) gehört. Pflegekräfte und Ärzteschaft seien in weiten Teilen ausgezerrt und enttäuscht, heißt es. Der Kostendruck, dadurch bedingter Personalabbau, aber auch Kündigungen aus Frust und Überarbeitung scheinen ihre Spuren zu hinterlassen.
Gerade auch ältere Pflegekräfte schafften es manchmal schon aus Kräftegründen nicht mehr, die langen Flure beispielsweise zwischen den Operationssälen und in den Pflegebereichen hin und her zu hetzen, wird betont. Die gedehnte Architektur des Gebäudes zeigt ihre Auswirkungen, auch wenn es der Träger nicht wahrhaben will. Eleganz hat manchmal ihren Preis. In diesem Fall betrifft das die Kosten als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Dabei besteht bei vielen Beschäftigten der Eindruck, dass gerade auch die Operationssäle viel zu häufig leer stünden. Konkrete Informationen zu Fallpauschalen und Auslastung seien zurzeit nicht zu bekommen, hieß es nach einer Anfrage. Valide Zahlen könnten erst Ende Januar genannt werden, so MKK-Pressesprecher Georg Stamelos.
Das gilt auch für Auskünfte zu den Beschäftigtenzahlen, bei denen davon auszugehen ist, dass es im abgelaufenen Jahr erhebliche Veränderungen gegeben hat. Diese Vermutung lassen zumindest viele Anmerkungen zu, die aus der Ärzteschaft zu hören ist.
In einzelnen Abteilungen sollen bis zu zwei Drittel der Mediziner das Handtuch geworfen und - wenn es sich ergab - das Weite in Richtung soliderer Kliniken gesucht haben. Löcher würden mit Vertretungsärzten gestopft - und mit Neueinstellungen auch von Ärzten, die nur gebrochen Deutsch sprechen. Die Folge seien in manchen Fällen Verständigungsprobleme, wird von Medizinern glaubhaft versichert.
Vergleichbar ist die Situation in weiten Teilen der Pflege. Auch hier fehle es personell gesehen an allen Ecken und Enden, wird betont.
Dass die Damen und Herren in dunkler Kleidung, die seit Monaten im Johannes-Wesling-Klinikum ein- und ausgehen, eine wirkliche Besserung der Problematik herbeiführen können, daran scheint in Häverstädt kaum jemand zu glauben. Gerade erst wurde die Beratungstruppe von Roland Berger nahezu komplett ausgetauscht. Ein übliches Verfahren in der Unternehmensberatungsszene, wenn eine Aufgabe langwierig ist.
Und die Aufgabe bei den Mühlenkreiskliniken ist langwierig und lohnt sich vor allem für das Beratungsunternehmen Roland Berger, das nach inoffiziellen Informationen eine siebenstellige Summe erhält, um den Moloch Johannes-Wesling-Klinikum unter finanziellen Aspekten zu zähmen und in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zu halten.