Lieferengpässe bereiten Stadtwerke-Chef Herbert Oepen Sorgen / Freiwilliger Räumdienst in zwei Schichten
Bad Oeynhausen. Bis zu 30 Zentimeter Neuschnee am Wochenende - diese Vorhersagen bringen Herbert Oepen ins Schwitzen. Denn der Stadtwerke-Vorstand wartet sehnsüchtig auf eine Lieferung Streusalz. "Gestern haben wir die letzte Tour gefahren - jetzt sind die Silos leer." Aufgrund von Lieferengpässen bei den Streusalz-Herstellern heißt es nun warten. In Sonderschichten seien die Mitarbeiter unterwegs, um die "Hauptverkehrsnebenstraßen (wichtige Stadtstraßen) in freiwilliger Leistung", so Oepen, zu schieben. Doch nicht nur bei den Stadtwerken, auch in den Supermärkten und Baustoffhandlungen ist das Streusalz vergriffen.
Hektische Betriebsamkeit herrschte gestern in den Büros der Stadtwerke-Mitarbeiter. Bis nach München telefonierten sie sich durch - doch nirgendwo hatten sie Erfolg. "Es gibt auf unbestimmte Zeit kein Salz", so Herbert Oepen. Das Lager mit 150 Tonnen Streusalz ist leer. Und damit steht Bad Oeynhausen nicht allein. Auch in den Nachbarkommunen sieht’s nicht besser aus.
Zudem ist in den Geschäften der Stadt kein einziger Beutel Streusalz mehr zu bekommen. Der Praktiker - leer gekauft.
Baustoffhandlung Spellmann - ebenfalls ausverkauft. Und auch Linnenbecker hat kein Salz mehr auf Lager. "Wir können nur noch Sand und Split bieten", sagen Geschäftsführer Thomas Wiesinger und Mitarbeiter Michael Wittkugel von Spellmann. Das mache allerdings nur stumpf und werde deshalb von den Kunden nicht gern genommen. "Wir hatten 75 Tonnen Salz, die sind nun alle weg." Chancen auf eine neue schnelle Lieferung gibt es nicht. "Salz ist knapp und wird nur noch zugeteilt", so Wiesinger. Man müsse froh sein, überhaupt etwas zu bekommen. "Wir als Händler sind die letzten in der Kette. Erst kommen die Autobahnmeistereien und die Kommunen", weiß auch Yusuf Selvi von Linnenbecker. Bei Spellmann und Linnenbecker geht man inzwischen von drei bis vier Wochen Lieferzeit aus. Beim Praktiker soll eventuell Mitte Januar eine neue Lieferung kommen.
Um schneller ans Salz zu kommen, setzte Herbert Oepen in diesem Winter auf den Landesbetrieb Straßen NRW, der auch für die Autobahnen zuständig ist. "Wir hatten uns an die große Ausschreibung gehangen", erklärt er. Genützt hat es nicht. "Das ist das erste Mal, dass es in dieser frühen Phase des Winters zu Lieferengpässen kommt", sagt Oepen. Das kenne er aus seiner bisherigen Dienstzeit überhaupt nicht. "Jetzt läuft der Winterdienst und wir können’s nicht zeigen", bedauert der Vorstand der Stadtwerke. Doch am vergangenen Wochenende sei es schon knüppeldick vom Himmel gekommen, so dass die Vorräte und die letzte Lieferung von 25 Tonnen aufgebraucht seien. 250 Tonnen Salz haben die Stadtwerke-Mitarbeiter in diesem Winter auf den Stadtstraßen verteilt. Zum Vergleich: Im Winter 2008/2009 waren es 800 Tonnen. "Dieses Jahr werden es bestimmt 1.000 und mehr."
Ohne Salz setzt Oepen nun auf eine Mischung aus Asche-Granulat und Sole. "Wir haben gerade 30.000 Liter Sole von Straßen NRW geliefert bekommen." Eigentlich wurde die bisher mit Salz gemischt und "hatte eine sehr, sehr gute Wirkung". "Durch die flüssige Sole konnte das Salz zum Beispiel nicht verwehen." Es gefriert zudem später und taut das Eis schneller an. Ob die Sole auch mit dem Granulat gut wirkt - das wird seit gestern auf dem Hof der Stadtwerke getestet. "Wir müssen was tun, sonst kommt am Wochenende keiner mehr durch", befürchtet Oepen. Doch seine Mitarbeiter bemühten sich, auch unter schwierigsten Bedingungen, das Beste daraus zu machen und ein Chaos zu vermeiden.
Froh ist Herbert Oepen vor allem darüber, dass er 2009 in einen neuen Fuhrpark investiert hat. "Da kann ich nur auf Holz klopfen", lobt er. Denn mit den alten Fahrzeugen hätte man am vergangenen Wochenende auf der Hälfte der Tour schlapp gemacht. Lob gibt es von Oepen für seine Mitarbeiter. "Die werden am Wochenende, wenn wirklich die angekündigten Schneemengen vom Himmel kommen, 24-Stunden-Schichten machen." Allerdings ohne Salz - dafür mit Schneeschieber. "Wir werden wohl die eine oder andere festgefahrene Schneedecke haben", mutmaßt Oepen.