Spaziergänger entdeckt Auto am Rehmer Fähranleger / Polizei fahndet nach vermisstem Besitzer
Bad Oeynhausen-Rehme. Der Schlüssel steckt, das Fenster auf der Beifahrerseite ist heruntergekurbelt, das Butterbrot in der Tasche auf dem Beifahrersitz verstaut. Als die Feuerwehr gestern Morgen einen dunklen Renault Twingo am Rehmer Fähranleger "Amanda" aus der Weser barg, fehlte vom Fahrer des Autos allerdings jede Spur. Bis in den Nachmittag suchte die Polizei zu Lande, zu Wasser und in der Luft - bislang ohne Ergebnis.
Es war gegen 8 Uhr am Donnerstag als ein Spaziergänger vom Portaner Weserufer mit seinem Fernglas das Auto in den Fluten entdeckte. Dieses lag seitlich mit der Front in Richtung Ufer und war stark beschädigt. Die alarmierte Polizei zog für die Bergung Feuerwehr und Notarzt hinzu. "Wir haben befürchtet, dass noch eine Person im Auto sitzt", erklärte Rainer Wolfes von der Wasserschutzpolizei kurz nach der Bergung. Das bewahrheite sich aber zum Glück nicht. "Wir stellen das Auto sichern und versuchen, den Halter ausfindig zu machen", erklärte er.
Der Twingo sei nicht als gestohlen gemeldet, dafür aber mit Schwung vom Parkplatz am Rehmer Sportplatz aus in die Weser gefahren worden. Kurz nach den Treppenstufen zum Fähranleger endete die Fahrt, die Airbags lösten aus. "Das Auto ist unten auf der Betonkante des Anlegers aufgeschlagen", erklärt Wolfes. Dadurch sei es nicht abgetrieben. "Wir mussten deshalb für die Bergung keine Taucher einsetzen."
Als die Feuerwehrmänner aus Bad Oeynhausen das Auto mit einer Seilwinde aus der Weser gezogen hatten, entdeckten die Beamten der Wasserschutzpolizei auf dem Beifahrersitz eine Tasche mit persönlichen Sachen - unter anderem einer gefüllten Butterbrotsdose. "Da auch der Schlüssel steckt, deutet nichts auf Diebstahl hin", so Wolfes. Er sei seit einem Autofund vor gut zwei Wochen in der Weser bei Petershagen sensibilisiert: "Dort haben wir im Wagen zwei Leichen gefunden. Deshalb haben wir heute auch Gas gegeben, um das Auto schnell zu bergen."
Noch dauern die Ermittlungen der Polizei zum gestrigen Fund an. Weil die Beamten den Halter daheim nicht antrafen, weiteten sie die Suche aus. Die Wasserschutzpolizei aus Minden unterstützte sie dabei mit einem Boot. Ein Polizeihubschrauber von der Fliegerstaffel aus Dortmund flog im Laufe des Vormittags die Weser und die Uferbereiche bis nach Minden ab. "Wir haben gegen Mittag zusätzlich Spürhunde eingesetzt, die eventuell eine Fährte aufnehmen", erklärte Polizeipressesprecher Ralf Steinmeyer der NW.
Zwei sogenannte Mantrailing-Hunde von der Polizeihundeschule aus Stukenbrock kamen am Anleger zum Einsatz. "Diese speziell ausgebildeten Tiere, darunter ein auf den Namen Bärbel hörender Bloodhound der nordrhein-westfälischen Polizei, verfügen über einen besonderen Geruchssinn und verfolgen die individuelle Geruchsspur eines Menschen." Zwar konnten die beiden Vierbeiner zunächst den Geruch aufnehmen, die Spur verlor sich jedoch später. Nach fast einstündiger Suche vom Anleger in Richtung Norden mussten die Beamten schließlich aufgeben.
Die Weser ist an dieser Stelle bis zu drei Meter tief und rund 80 Meter breit. "Falls jemand im Auto war, hat er in dem drei Grad kalten Wasser nur wenige Minuten überlebt", erklärte Steinmeyer. Möglicherweise sei der Fahrer aber auch unversehrt aus dem Auto gestiegen und verschwunden. Ob und wann die Suche wieder aufgenommen wird, hängt von den Ergebnissen der weiteren Ermittlungen ab. Hinweise auf eine Gewalttat liegen der Polizei nicht vor.