Während es an Weser und Werre taut, hält sich auf den Bergen der Winter / Nur noch sieben Tonnen Salz
Bad Oeynhausen. Der Winter hält die Kurstadt weiter fest im Griff. Nach zunächst heftigen Schneefällen am gestrigen Vormittag entspannte sich die Lage in der Stadt. Auf den umliegenden Bergen, etwa auf der Lohe oder in Bergkirchen, bereiteten den Autofahrern derweil Schneeverwehungen Schwierigkeiten. "Das sind zwei verschiedene Welten", meinte Streufahrzeugfahrer Andreas Göhner, der eben noch im ruhigen Rehme gewesen war und kurz danach einen Trucker aus einer Loher Schneewehe befreien sollte. Unterdessen droht den Stadtwerken schon heute das Streusalz auszugehen.
Der Unglücksfahrer von der Lohe kam mit seinem Kühltransporter aus Petershagen. "So etwas ist mir noch nie passiert", ärgerte sich Andre Zundel, der Pommes Frites, Frikadellen und anderes Tiefkühlgut für die Gastronomie geladen hatte. Und der gleich nach seinem Rutsch in den Graben der Detmolder Straße in der Mittagsstunde rasche Hilfe in Form eines Streuwagens der Stadtwerke nahen sah.
Doch zu früh gefreut: Das Abschleppseil passte nicht zwischen die beiden Wagen, Zundel musste weiter warten. Immerhin sicherten zwei zufällig des Weges kommende Beamte der Autobahnpolizei diese unübersichtliche Kurve am Abzweig zur Valdorfer Straße.
"Auf den Autobahnen ist es ruhig, wir hoffen, dass es so bleibt", erklärte Thomas Schöttker, der sich seine gelbe Warnweste übergezogen hatte und mit seinem Kollegen den sich stockenden Verkehr regelte. Schöttkers Hoffnung trog bis Redaktionsschluss nicht. Im Bereich der Kurstadt lief der Verkehr sowohl auf der A 2 als auch auf der A 30.
"Die Autobahnmeistereien werden bevorzugt mit Streusalz versorgt", versicherte Sven Johanning vom Landesbetrieb Straßen NRW in Bielefeld. Schwieriger sei die Situation der Straßenmeistereien, die für Kreis- und Bundesstraßen zuständig sind. "Bad Oeynhausen teilt sich in zwei Bereiche, wobei die Grenze in etwa auf der Eidinghausener Straße verläuft. Für den Teil Dehme oder Bergkirchen ist die Straßenmeisterei Minden zuständig und die hatte zuletzt so gut wie gar kein Streusalz mehr. Am Dienstag wurde aber eine neue Lieferung erwartet", so Johanning.
Im übrigen Gebiet gelte die Zuständigkeit der Straßenmeisterei Löhne. "Für Dienstag hatten die noch genug Streusalz, danach aber wird es dort knapp", gab der Behördensprecher zu.
Sparsam haushalten müssen auch die Stadtwerke, die ihr Salz inzwischen mit Granulat mischen und damit die wichtigsten innerstädtischen Straßen sowie neuralgische Punkte und Steigungsstücke sichern. "Auf den Bürgersteigen sind wir zu Sand übergegangen", erläutert Ulrich Stahlmann von den Stadtwerken. "Wir haben noch genau sieben Tonnen Streusalz", sagt Stadtwerke-Chef Herbert Oepen. Wenn es so weitergeht, sind die bereits heute verbraucht. Ersatz ist nicht in Sicht. "Da ist unsere Phantasie am Ende. Es wird Zeit, dass es Frühling wird", sagt Oepen.
Nebenstraßen werden angesichts der Salzknappheit nur noch geräumt, aber nicht mehr gestreut. So wie die Straße Königshagen, die bis zum Abzweig Fegerstraße von den Stadtwerke-Fahrzeugen frei geschoben wird. Eben dort wohnt Nele Höhner. Für die vierjährige Loherin ist es schon zur Gewohnheit geworden, dass sie den Weg von und zum Kindergarten an der Hand von Mutter Kerstin macht. Immer mitten durch den dicken Schnee. Denn: "Geräumt wird hier gar nicht. Und wenn, dann macht das Opa. Der hat einen Trecker."
stehenden Code hier ein*: