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04.02.2010
BAD OEYNHAUSEN
Immer nur in eine Richtung
Teil VI: In der Zentralsterilisation von Krankenhaus und Auguste-Viktoria-Klinik herrscht strikte Trennung
VON NICOLE SIELERMANN

Durcheinander | FOTO: N. SIELERMANN

Bad Oeynhausen. So muss es in einer Spülmaschine sein. Es klappert, scheppert und rauscht in allen Ecken. Hinzu kommt die enorme Wärme. In der Zentralsterilisation des Krankenhauses werden jährlich 30.000 Container mit medizinischen Instrumenten verarbeitet. Zangen, Skalpelle, Tupfer oder Schläuche - alles wird gespült, kontrolliert, sterilisiert. Nur so ist die Qualität der Operationen gesichert. "Wenn hier etwas nicht vernünftig funktioniert, haben wir ein enormes Problem", bringt es Leiterin Anna Görzen auf den Punkt.

Es ist ein Kreislauf. Abgetrennt in rein und unrein. Nur in keimfreier Kleidung, mit Haarnetz, Mundschutz und Handschuhen, dürfen die Mitarbeiter in die Bereiche. Scheppernd bringt ein Fahrer eine Ladung mit benutzten OP-Instrumenten. Schiebt sie im Wagen über den Flur im Keller der Auguste-Viktoria-Klinik (AVK). Im unreinen Bereich macht sich Philipp Rothkirch ans Werk. Mit dicken Spezialhandschuhen räumt er Container für Container, Sieb für Sieb aus - und in die Spülmaschinen wieder ein.

"Die einzelnen Siebe sind exakt nach den OPs benannt und sortiert", erklärt Görzen. Soll heißen, es gibt Siebe für Hüft- und Knie-Operationen oder für Endoskopien. Je nach Art der OP sind die Instrumente sortiert. Görzen: "Teilweise haben solche Sieb-Inhalte einen Wert von 10.000 bis 12.000 Euro." Und manchmal werden sogar bis zu zehn Container pro OP gebraucht. "Vor allem die Orthopädie ist sehr aufwändig."

Scheren, Pinzetten, Skalpelle, metallene Hüftköpfe, Lampenschirmhalter, kleine Schälchen zum Zementmischen oder lange Schläuche - alles das muss in der Zentralsterilisation gereinigt werden. Und zwar innerhalb von wenigen Stunden. "Zum einen müssen die Siebe schnell wieder einsatzbereit sein, zum anderen geht Blut schwieriger ab, je länger es am Instrument haftet", so Görzen. In Spitzenzeiten, zum Beispiel bei Schnee und Eis, bedeutet das: Mehrarbeit. "Bei Winterwetter ist in der Unfall-Chirurgie deutlich mehr los."

Gespült wird mit einer speziellen Mischung aus Desinfektionslösungen und Wasser. Was einmal in der Spülmaschine drin ist, kann nicht wieder zurück. "Der Weg geht immer nur in eine Richtung", erklärt Görzen. Damit sich auf keinen Fall Reines und Unreines vermischen. Zirka dreieinhalb Stunden dauert ein Reinigungs- und Sterilisationsprozess. 14 Mitarbeiter kümmern sich um den reibungslosen Ablauf. "Unsere Arbeit findet oft nicht die Beachtung, die angemessen wäre", urteilt Anna Görzen. Dabei gehe ohne die Sterilisations-Abteilung gar nichts.

Mittlerweile sind die von Philipp Rothkirch sortierten und in die Maschine eingeräumten Container und Instrumente gereinigt. Scheppernd werden sie auf der reinen Seite ausgeräumt. Dann beginnt die Sortierung. Tuchklemmen, Präparierscheren oder Platten müssen wieder in die Siebe sortiert, oder bei Bedarf ersetzt werden. "Dafür haben wir eine Nachlegereserve", sagt Görzen und zieht mit Schwung einen Schrank auf. Zig Sorten Scheren baumeln an den Haken. In Schubladen lagern zudem lauter kleine Tütchen - allein für eine Radius-Fraktur (Unterarmbruch) ist eine Lade mit Platten und Schrauben reserviert. "Manch kleine Schraube kostet zwischen 400 und 800 Euro", erklärt Pflegedienstleiterin Janin Tacke. Deshalb bräuchten die Mitarbeiter ein Gefühl für Preise. "Sie tragen enorme Verantwortung."

Sind die Instrumente einsortiert, wird am PC der Inhalt abgehakt. "Gleichzeitig werden die Instrumente noch einmal kontrolliert - auf Sauberkeit und Funktion." Denn sind Skalpell oder Pinzette nicht benutzbar, stockt später die OP. Zurück im Container werden die Siebe mit einer speziellen Falttechnik in Fleece eingeschlagen. Berühren darf die Decke die Außenseite des Containers allerdings nicht - sonst ist alles wieder unsteril. Und der Kreislauf beginnt von vorn. "Keine Steri, keine OP", fasst das Görzen zusammen.
Gut eine Stunde werden alle Container oder auch einzeln verpackte Instrumente sterilisiert. Bei 135 Grad Celsius durchlaufen sie den Prozess in der Maschine. Werden danach persönlich von Mitarbeitern freigegeben - bevor sie draußen auf dem Flur wieder scheppernd und klappernd abgeholt werden.


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