Bad Oeynhausen. Die Corsmann GmbH ist insolvent. Diese Nachricht machte gestern auch in Bad Oeynhausen in Windeseile die Runde – auch wenn sich das Opel-Autohaus schon Ende Juni 2009 aus der Kurstadt verabschiedete. Da wirkt es geradezu schicksalhaft, dass gerade gestern drei ehemalige Corsmann-Mitarbeiter aus Bad Oeynhausen ihre Pläne für eine neue berufliche Existenz präsentierten.
Eine Zündkerze brauchen Nedim Belgeli (46), Beate Brandt (48) und Siegmar Ekelhoff (43) nicht, um in ihrer erfrischenden Zuversicht Funken sprühen zu lassen. "Wir haben uns selbstständig gemacht", verrät das Trio, das nach dem Aus vom Opel-Autohaus MAG-Corsmann in Rehme zunächst eine Qualifizierungsmaßnahme absolvierte und nun zum 2. März in eigener Regie die Autowerkstatt "Kfz-Technik in Rehme" eröffnet.
"Vom Arbeitnehmer zum Unternehmer", strahlen Belgeli, Brandt und Ekelhoff, die ihren Arbeitsplatz verloren und trotzdem am selben Ort weitermachen: Rehme, Adam-Opel-Straße 2. An genau dieser Adresse war Nedim Belgeli 1981 als Kfz-Mechaniker angetreten, um (als Betriebsratsvorsitzender) im vergangenen Sommer entlassen zu werden. Wie mehrfach berichtet, waren ihm und 26 festangestellten Beschäftigten sowie sechs Teilzeitkräften der Opel-Niederlassung zum 30. Juni 2009 das Ende des Betriebs verkündet worden.
Lediglich fünf Kollegen sowie drei Auszubildende übernahm Corsmann an anderen Standorten. Ekelhoff, 18 Jahre bei Opel in Rehme beschäftigt, Kollegin Brandt, fast 20 Jahre in der Firma sowie Belgeli, 29 Jahre bei Opel, fanden sich in einer Transfergesellschaft wieder. Der andauernden Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes und der nach Monaten bitteren Bestätigung folgt jetzt der Neustart.
"Ich war mir von vornherein sicher, dass ich mich selbstständig machen wollte", erklärt Kfz-Mechatroniker Nedim Belgeli. Auch Siegmar "Siggi" Ekelhoff, ebenfalls Kfz-Mechatroniker, schöpft aus der zunächst negativen Entwicklung neue Kraft: "Wenn es nicht so gekommen wäre, dann hätten wir dieses nie gemacht." Beate Brandt, kaufmännische Angestellte, teilt den Optimismus: "Der Weg wird hart und steinig, aber wir kriegen das hin." Vor allem auf den Zusammenhalt setzt Belgeli: "Wir kennen uns seit langen Jahren. Das, was wir bei unserem früheren Arbeitgeber durchgemacht haben, das schweißt zusammen." Was dann auch Zukunftssorgen leichter werden lässt: "Wer Verhandlungen mit dem ehemaligen Geschäftsführer Frank Terbeck durchgemacht hat, der ist abgehärtet."
Das Team hat einen Teilbereich, insgesamt 400 Quadratmeter, des einstigen Opel-Autohauses angemietet. Verhandlungspartner war der ehemalige Arbeitgeber, der bis zum Sommer einen Mietvertrag besitzt. Doch auch mit dem Eigentümer der Immobilie, der Familie Jäcker, sind sich die drei Werkstatt-Chefs eins.
Drei Bühnen wurden in der Werkstatt bereits installiert, hinzukommt ein Diagnose-Stellplatz sowie das Büro. Eine MAG-Waschstraße ist zwischenzeitlich versteigert worden. "Da konnten wir nicht mitbieten, weil für uns das mit der eigenen Firma noch nicht klar war", erklärt Nedim Belgeli, der wie seine Mitstreiter auf Expansion setzt.
Das sollte gelingen, zumal weite Teile des alten Standorts leer stehen, die drei Neu-Unternehmer der Kundschaft als bisherige Opel-Beschäftigte gut bekannt sind – und weil bei entsprechender Auftragslage das Personal aufgestockt werden soll. "Dann", strahlt Beate Brandt, "kommen auch die ehemaligen Kollegen in Frage". Und dabei lässt sie keinerlei Zweifel aufkommen: "Auf die werden wir als erstes zugreifen."