Werkzeugbau ist dicht, Solutions schließt Ende Mai / Gewerkschaft kritisiert: "Balda kommt sozialer Verantwortung nicht nach"
Bad Oeynhausen (juk). Es ist das Ende eines tiefen Falls nach einem rasanten Aufstieg: Die Heinze Solutions, vor wenigen Jahren unter dem Dach der Balda AG noch bejubelter Kern des Konzerns und strahlender Stern einer Branche, wird bis Ende Mai abgewickelt. Dann werden die letzten 86 Mitarbeiter eines Unternehmens, das in Spitzenzeiten mehr als 1.200 Beschäftigte hatte, ihren Arbeitsplatz in Wulferdingsen verlieren. Dass die einstige Mutter Balda nicht wenigstens einige Mitarbeiter bei ihrer Tochter Balda Medical aufnehme, kritisieren Gewerkschaft und Betriebsrat scharf.
"Die Balda AG kommt ihrer sozialen Verantwortung nicht nach", sagt Lutz Schäffer, Bevollmächtigter der IG Metall Minden. Die Balda Medical sei ein expandierendes Unternehmen. "Das könnte doch wenigstens fünf oder zehn Mitarbeitern der Heinze Solutions einen neuen Arbeitsplatz anbieten", sagt Schäffer. "Aber das Unternehmen beschäftigt offenbar lieber Leiharbeiter, die es zu einem günstigeren Kurs bekommt", so der Gewerkschafter.
Dabei sei die die Heinze Solutions die Keimzelle der Balda AG gewesen. "2004 hatte die damalige Balda Solutions 770 feste Mitarbeiter und 500 Leiharbeiter", erinnert sich der Betriebsrat. "Hier wurde das Geld verdient, das dann über die AG in aller Welt verteilt wurde."
Dann kam der Konzern, der ursprünglich Handy-Schalen produzierte, ins Trudeln. Schäffer erinnert an den kurzfristigen Verkauf der Solutions und des Werkzeugbaus an die "Aurelius" vor zwei Jahren. Nach wenigen Wochen wurde der Verkauf rückgängig gemacht. "Da wurde Geld in erheblichem Maße verbrannt", so Schäffer, der hier von einem siebenstelligen Betrag spricht. Darauf folgte der Verkauf an Heinze.
Für Stefan Chatziparaskewas, Anwalt des Betriebsrates, ist klar: "Balda wollte die Solutions und den Werkzeugbau einfach loswerden, um mit der folgenden Insolvenz nichts mehr zu tun zu haben. Und genauso ist es jetzt gekommen."
Rechtlich seien die inzwischen als Heinze Solutions und Heinze Werkzeugbau firmierenden Unternehmen tatsächlich streng getrennt von der Balda AG und der dazu gehörenden Balda Medical. "Tatsächlich aber arbeiten wir doch Werkbank an Werkbank", berichtet der Betriebsrat über die unmittelbare Nachbarschaft der Unternehmen in den Wulferdingsener Werkhallen. Doch Balda Medical habe eine Übernahme zumindest eines Teils der 86 Solutions-Mitarbeiter abgelehnt, die Ende der Woche ihre Kündigung bekommen werden. "Da entzieht sich Balda der sozialen Verantwortung", so Schäffer.
Dr. Rolf Eilers, Geschäftsführer der Balda Medical, wollte gestern auf Nachfrage der NW zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.
Unklar ist nach Darstellung von Gewerkschaft und Betriebsrat noch, ob der Maschinenpark der Solutions in die Insolvenzmasse einfließen wird und so auch zu Abfindungen der Arbeitnehmer beitragen könnte. "Bei der Abwicklung der Werkzeugbau wurden die Maschinen zugunsten von Balda versteigert", sagt Schäffer. Die Heinze Werkzeugbau habe Ende Januar ihren Betrieb eingestellt. Bei der Solutions werde dieser Schritt spätestens Ende Mai folgen.