Staatsbad GmbH weigert sich, das Detmolder Plakat zu der Mittsommernachts-Sexkomödie aufzuhängen
Bad Oeynhausen. Echte Hingucker sind sie, die kunstvollen Plakate, mit denen das Detmolder Landestheater jedes Jahr für seine aktuellen Produktionen wirbt. Normalerweise machen sie rund um den Kurpark auf das aufmerksam, was demnächst auf der Bühne im Theater im Park zu sehen ist. Nicht so bei der Mittsommernachts-Sexkomödie von Woody Allen, die am morgigen Donnerstag auf dem Spielplan steht.
Denn in der Staatsbad-GmbH hatte man Sorge, dass die bunten Skizzen vom ebenso bunten Liebesleben gegen den guten Geschmack der Bad Oeynhausener verstoßen würden. Die Arbeit des Detmolder Grafikers Michael Hahn wurde kurzerhand wieder nach Detmold zurückgeschickt.
Recht freizügig tummeln sich auf dem Werbeträger sieben Paare in Form von farbigen Bleistiftzeichnungen beim Liebesspiel. Das Plakat von Michael Hahn, der für seine Arbeiten mehrfach als vielseitiger und origineller Künstler prämiert wurde, setzt eben das um, um das es in der schrillen und stürmischen Komödie geht: Ein Wechselbad sexueller Gefühle, Lust, Verlangen, Triebe und Träume. Und jede Menge Scherz, Ironie und Satire.
"Persönlich finde ich das Plakat nicht schlimm und hätte auch nichts gegen das Aufhängen gehabt. Aber meine Mitarbeiter waren dagegen und ich habe mich bei der Entscheidung auf ihre langjährige Erfahrung mit dem Bad Oeynhausener Publikum verlassen", rechtfertigt Frank Oette, Geschäftsführer der Staatsbad-GmbH, die Entscheidung gegen den vermeintlich umtriebigen Werbeträger.
Als moderner Kulturmanager hat sich Bad Oeynhausen mit dieser rigorosen Entscheidung ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen: Denn die anderen Spielorte, an denen das Landestheater auftritt, empfanden das Plakat nicht als anstößig. Mehr noch: "Schon im Druckhaus sind uns mehr als 100 Exemplare abhanden gekommen, da haben sich vermutlich einige über die Motive gefreut. Und bei der Matinee zu dem Stück, zu der überwiegend betagtes Publikum gekommen war, hat man uns die Plakate aus der Hand gerissen und mit nach Hause genommen", weiß Dr. Christian Katzschmann, Chefdramaturg in Detmold. Er selbst halte die künstlerische Umsetzung für harmlos und witzig. "Da müssten doch die barbusigen Frauen auf den Magazinen am Zeitungsstand mehr Anstoß erregen", meint Katzschmann.
Auch für Stefan Dörr, früherer Geschäftsführer der Staatsbad-GmbH und jetzt Verwaltungschef am Landestheater, ist das Verhalten der Bad Oeynhausener unverständlich: "Eine derart eigenartige Reaktion hätte ich nicht erwartet. Plakate sollen doch neugierig machen und zur Unterhaltung über ein Stück anregen."