Bad Oeynhausen. Die "wirtschaftliche Stärkung und die Weiterentwicklung Bad Oeynhausens als Gesundheitsstandort" schrieb der Rat in einer 2007 verfassten Liste strategischer Ziele fest. Jetzt durchkreuzt Schröder Logistic (100 Mitarbeiter) diese Ziele.
Geschäftsführer Gerhard Schröder wäre mit seiner Spedition gerne in Bad Oeynhausen geblieben. "Ein halbes Jahr dauerten die Gespräche mit der Stadt, von denen nie einer bei uns im Betrieb gewesen ist und von der wir letztlich nur hörten: ,Wir haben nichts – und gut‘."
Besser setzte sich die Nachbarschaft in Szene. "Was die gemacht und getan haben, das verdient ganz großen Respekt." Und deswegen zieht das Speditionsunternehmen Schröder Logistic zum Jahreswechsel von Werste ins interkommunale Gewerbe- und Industriegebiet Oberbehme der Gemeinden Hiddenhausen und Kirchlengern an der A 30.
Schröders Anteil: 35.000 Quadratmeter Fläche, 50 Fahrzeuge, 100 Arbeitsplätze, plus 15 Neueinstellungen sowie eine noch zu verpachtende DAF-Vertragswerkstatt und noch einmal 15 neue Arbeitsplätze. Die Investitionssumme wird mit etwa fünf Millionen Euro angegeben.
Auf und davon ist schon längst S&W Rohrsysteme (40 Beschäftigte). Geschäftsführer Michael Wulbrandt beklagt noch heute die mangelnde Unterstützung: "Normalerweise sollte man ein bisschen produzierendes Gewerbe haben. Deswegen sollte die Stadt auch darum kämpfen", sagt Wulbrandt, der diesen Kampf vermisst.
S&W wollte am Standort Brunhildestraße expandieren, wo der ehemalige Betriebshof des Staatsbades zur Verfügung stand. Das Geschäft kam nicht zustande. Die Stadt sah keine Möglichkeit des Eingreifens, weil das Objekt nicht in ihrem Besitz lag. Kein Eigentum, kein Kampf. "Die Unterstützung der Stadt ist im Sande verlaufen", sagt ein enttäuschter Geschäftsführer, der mit S&W mittlerweile auf ein 8.000 Quadratmeter großes Areal ins Industriegebiet Rinteln gewechselt ist.
Der verbliebene Zweitsitz in Bad Oeynhausen werde in den nächsten Jahren aufgeben, sagt Michael Wulbrandt, der rückblickend von den Wirtschaftsförderern beeindruckt ist. Von denen aus Rinteln. So weit, so schlecht. Das gilt auch für das Pressen-Unternehmen Helmerding an der Königstraße. "Wir müssen expandieren", erklärt Chefin Liselotte Hallinger, die jetzt den idealen Zeitpunkt zum Ausbau gekommen sieht. Die Zinsen sind niedrig. Dennoch wird es mit der Vergrößerung in Bad Oeynhausen wohl nichts werden, weil der Besitzer des angrenzenden Grundstücks nicht verkaufen will.
"Warum bietet die Stadt dem nicht einen Anreiz in Form eines anderen Grundstücks?", fragt Liselotte Halliger, die ohnehin den Schwarzen Peter bei der Stadt ausgemacht hat: "Die hat den Bebauungsplan nicht früh genug ausgewiesen. Doch irgendwann muss doch jeder einmal seine Schublade in Ordnung bringen."
Helmerding schätzt den Standort Bad Oeynhausen und seine Kunden das "Made in Germany". An einer Verlagerung kommt das Unternehmen wohl dennoch nicht herum. "Dann machen wir das in unserem Werk in Polen und stellen da 10 bis 15 neue Leute ein", sagt Inhaber Wilhelm Taake trotzig.