Bad Oeynhausen/Bielefeld. "Die Tat, die Sie begangen haben, beendete den jahrelangen Leidensweg ihrer Familie. Ihre Regentschaft hat ein Ende gehabt", sagte die Vorsitzende Richterin Jutta Albert zu Beginn der Urteilsbegründung zum Angeklagten. Das Bielefelder Schwurgericht verurteilte Friedrich K. (63) aus Bad Oeynhausen wegen Mords aus niederen Beweggründen zu lebenslanger Haft.
Am 16. September des vergangenen Jahres erwürgte K. seine auf dem Bett liegende Ehefrau Barbara (56) im gemeinsamen Haus an der Kappenberger Straße. Das Opfer starb einen qualvollen Tod, der Todeskampf kann sich - so ein Sachverständigengutachten - über einen zweistelligen Minutenbereich hingezogen haben. Schließlich unterlag die Frau dem deutlich schwereren Täter.
Nachdem er lange geschwiegen hatte, räumte K. die Tat gestern in einer von seinem Verteidiger Mario Prigge verlesenen Erklärung ein. Dort hieß es: "Ich kann die Tat bis heute nicht begreifen. Es war, als sei etwas in meinem Kopf explodiert. Ich habe alles wie durch einen Schleier gesehen." Vorausgegangen war dem Mord ein Streit, in dem die Frau dem Angeklagten mitgeteilt hatte, dass sie ihn verlassen wolle. Dies konnte und wollte K., der laut einem Psychiater über eine narzisstische Persönlichkeit verfüge, nicht zulassen. Ihn verlasse man nicht, hatte er schon zu einem früheren Zeitpunkt seiner Familie zu verstehen gegeben. Eher werde er die Frau oder sich umbringen. Jahrelang hatten die beiden Töchter sowie Barbara K. unter den Wutanfällen des Vaters , der keinerlei Widerspruch duldete, zu leiden. Dies äußerte sich sowohl verbal, als auch in Form von Schlägen mit der Hand, der Faust oder der Reitgerte.
"Sie sind ein Despot, ein Narzisst, ein Choleriker", sagte Richterin Albert in der Urteilsbegründung. Besonders deutlich war die Gefühlskälte und Ich-Bezogenheit des Angeklagten geworden, als er nach der Tat die Polizisten zur Wache begleitete: Er bedauerte, kurz nachdem er seine Frau erwürgt hatte, dass er sein "Baby" - gemeint war sein Auto der Marke Dodge - nun so lange nicht mehr sehen würde.
"Was Sie an Kälte entwickelt haben müssen, um so lange zuzudrücken, bis Ihre Frau sich nicht mehr rührte, nur um dann an den Verlust des Autos zu denken, ist beachtlich", sagte Albert. Die in der gestrigen Verhandlung an die Familienmitglieder gerichtete Entschuldigung des Angeklagten bezeichnete sie als "hohl und von Selbstmitleid geprägt". Mit dem Urteil folgte die Kammer dem Antrag von Staatsanwalt Udo Vennewald. Verteidiger Prigge hatte auf eine Freiheitsstrafe wegen Totschlags plädiert.