Bad Oeynhausen. Er beherrscht beide: die heiteren und die ernsten Töne. Zur Einstimmung der 450 Gäste im Theater im Park flachst Karl-Theodor zu Guttenberg über die neue Bartmode seines Gastgebers: "Ich wollte mich überzeugen, ob sich Steffen Kampeter wirklich nicht nur in Berlin rasiert, sondern auch hier zuhause." Nachdenklich wird der Verteidigungsminister, wenn er über Afghanistan spricht, die Aufgabe, die Herausforderung, das Sterben. Seine Zuhörer in Bad Oeynhausen quittieren beides mit mehr als freundlichem Applaus.
Mit einem vertrauten "Hallo, K. T.", nimmt Kampeter den Gast Karl-Theodor vor dem Theater in Empfang. Neben ihm steht Ilse Finkeldey, die stellvertretende Landesvorsitzende der Senioren-Union aus Minden. "Die liebt Dich auch", verrät Kampeter. Zu Guttenberg lächelt, Ilse Finkeldey nickt.
Hinein geht’s in den Theatersaal, wo sich 450 Gäste spontan erheben und den Verteidigungsminister mit Applaus und begeisterten Pfiffen willkommen heißen. Eine kurze Einstimmung von Karl-Erich Schmeding und Friedhelm Ortgies, den heimischen Landtagskandidaten der CDU, zu deren Unterstützung zu Guttenberg nach Bad Oeynhausen gekommen ist. Dann hat der Ehrengast das Wort.
Dass dessen Amt in diesen Tagen kein Zuckerschlecken sei, stellt Kampeter fest. "Aber wenn es einfach wäre, müsste es Karl-Theodor nicht machen", sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. Vom Spaß am Amt möchte auch zu Guttenberg nicht sprechen – das erschiene ihm angesichts der ernsten Lage in Afghanistan unangemessen. "Aber ich habe noch nicht eine Sekunde bereut, dass ich dieses Amt angenommen habe", so der Minister.
In Sachen Landespolitik hält sich der Wahlhelfer aus Bayern weitgehend zurück. Dafür kommt zu Guttenberg rasch auf das Thema, auf das die meisten Gäste im Saal warten: Afghanistan. Zu dem Einsatz deutscher Soldaten dort sieht der Minister derzeit keine Alternative. "Natürlich muss es unser Ziel sein, nicht ewig dort zu bleiben. Aber wenn wir jetzt abziehen würden aus Afghanistan, müssten wir auch bekennen, dass unsere Leute dort umsonst gestorben sind."
Dass Kritik und Ablehnung gegen den Afghanistan-Einsatz deutscher Soldaten in der Bevölkerung wachsen, "das ändert nichts an der Notwendigkeit, die Debatte über den Sinn des Einsatzes zu führen", sagt zu Guttenberg. Denn das sei ein zentraler Fehler der Afghanistan-Politik der vergangenen Jahre gewesen: "Wir haben die Diskussion darüber zu verdruckst und nicht offen genug geführt."
Und das, so der Minister, habe sich bei aller Kritik in den vergangenen Wochen verändert. "So traurig, so bitter, so erschütternd die Trauergottesdienste für die Gefallenen auch sind: Wenn ich sehe, wie viele Menschen heute daran Anteil nehmen, weiß ich, dass das vor zwei, drei Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre."
Zur Realität gehöre auch, davon zu sprechen, "dass wir in Afghanistan in einem Krieg stehen", so zu Guttenberg. "Damit haben wir endlich auch Rechtssicherheit für unsere Soldaten, die nun nicht mehr damit rechnen müssen, dass sie in der Heimat vor den Richter gezerrt werden, wenn sie im Kampf zur Waffe greifen mussten."
Denn für eines, so der Minister, hätten die kämpfenden Soldaten kein Verständnis: "Für mangelnde Anerkennung und Rückendeckung für den Dienst, den sie schließlich für unsere Sicherheit leisten." Dafür erntet der Minister erneut begeisterten Applaus.
Erst ganz zum Schluss, nach einer Stunde Redezeit, greift zu Guttenberg das erste Mal zu dem Wasserglas auf dem Rednerpult. Es ist ein eher vorsichtiges Nippen. Vielleicht werde man dem Oberfranken bei seinem nächsten Besuch ja ein Bier hinstellen, hofft zu Guttenberg. Und lässt zum Abschied noch einmal sein Lausbuben-Lächeln sehen.