Bad Oeynhausen. Urszula ist einsichtig. Wenn auch zähneknirschend. Die 28-jährige polnische Brummi-Fahrerin ist mit einem geschmeidigen Satz auf dem Sattelzug und zerrt die Gurte aus der Kiste. "Das ist jetzt meine vierte Kontrolle in diesem Land und auf dieser Tour", sagt sie Schulterzuckend und zieht am Gurt. Dreimal sei alles gut gegangen. Doch in Bad Oeynhausen waren die Autobahnpolizisten hartnäckig: Sie wollten einen Blick auf die Ladefläche werfen. Pech für Urszula. Denn die 80 Fässer mit der ätzenden Chemikalie Nonylphenol waren nur unzureichend gesicht.
Ulrich Eickmeier hat den Kennerblick. Der Zollbeamte steht mit seinem leuchtend-gelben Parka in vorderster Reihe und pickt sich gezielt potenzielle "Übeltäter" aus dem Verkehr. "Hier, das Mädel nehmen wir auch. Da freuen sich die dahinten", sagt er schmunzelnd und winkt mit seiner Kelle Urszula an die Seite. Dass die junge Frau einer der dicken Fische am heutigen Tag wird, ahnt er nicht.
Autobahnpolizei, Hauptzollamt Bielefeld, Veterinäramt Minden und das Abfallwirtschaftsdezernat der Bezirksregierung nahmen bei der gestrigen integrativen Kontrolle vorwiegend den Schwerlastverkehr genauer unter die Lupe. Aber auch so mancher Sprinter wurde im Autobahnkreuz an die Seite gewunken. Immer mit dabei: 20 dänische Polizisten aus Kopenhagen. Sie sind Gäste bei den Bielefelder Kollegen und wollten Anregungen mit nach Dänemark nehmen. "Eine haben wir schon gefunden", sagt Kim Johansen. Der Motorradfahrer der Kopenhagener Polizei spricht perfekt Deutsch. "Ein solches Messgerät für die Reifen, mit dem man prüfen kann, ob sie heiß gelaufen sind, kennen wir nicht." Aber das werde jetzt bestellt, sagt er.
Vorbildlich leere Pfandflaschen transportiert
Papiere, Fahrt- und Ruhezeiten - bei Urszula alles in Ordnung. Doch Friedhelm Hufenbach von der Autobahnpolizei möchte seinen dänischen Kollegen schließlich die deutsche Polizeiarbeit zeigen und wirft einen Blick unter die Plane. "Oh, Oh, Oh", entfährt es ihm. Was ihm die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist die Ladungssicherung. Denn die 80 Fässer mit jeweils 190 Kilogramm einer hochätzenden Chemikalie stehen nur spärlich gesichert auf den Paletten. "Da muss sie nachspannen", sagt Hufenbach. Sonst komme bei Kurvenfahrten oder beim Ausscheren die Ladung ins Rutschen. Und was dann passiert, möchte sich niemand ausmalen. "Wir hatten erst gerade einen Gefahrgutunfall. Da waren einige Kollegen in Behandlung."
Während Hufenbach die polnische Fahrerin kontrolliert, kümmert sich Werner Jochmann um einen Autotransport aus Polen. "Der hat drei Achsen und sechs Räder, aber nur vier davon gebremst", erklärt er. Das kostet. "Früher haben wir als Sicherheitsleistung Pfand genommen, Navis, Uhren oder Kameras - das geht heute aber nicht mehr", winkt Polizeihauptkommissar Hans Bulian ab. Glimpflich geht dagegen die Kontrolle von Christian Marchel aus. Der Bad Oeynhausener transportiert leere Pfandflaschen - und das vorbildlich.
Lastwagen mit Bananen, Wursthändler oder ein russischer Brummi mit Schrottstahl - sie alle entgehen nicht dem kritischen Blick von Ulrich Eickmeier. "Dafür braucht es Fingerspitzengefühl", urteilt auch Einsatzleiter Wilke. Wie im Fall von Urszula. Die nicht gerade glücklich über die Unterbrechung ist. Schließlich ist sie seit Dienstag mit den Fässern aus Polen unterwegs und muss noch bis Belgien. Für Einsatzleiter Wolfgang Wilke ihr Problem: "Es war ihre Bequemlichkeit, dass sie die Ladung nicht genügend gesichert hat", bilanziert er. Denn Gurte habe Urszula genug dabei. Nun müsse sie ihre Pausenzeit opfern. Und zahlen. 300 Euro kostet das Vergehen für den Fahrer, 500 Euro für den Verlader.