Bad Oeynhausen. Die Lage wirkt entspannt. Abwartend stehen die Einsatzkräfte auf dem Gelände der Maternus-Klinik. Lediglich Einsatzleiter Erwin Harbsmeier huscht hektisch hin und her. Der Brand ist unter Kontrolle, die meisten Patienten evakuiert - jetzt heißt es warten. Warten darauf, dass zwölf noch vermisste Patienten gefunden werden. Ein Schwelbrand in der Rehaklinik löste gestern Morgen einen Großeinsatz mit Kräften aus dem gesamten Kreisgebiet aus.
Blaulicht und Martinshorn bestimmen das Bild rund ums Klinikgelände. Knatternd nähert sich in der Luft der Rettungshubschrauber. "Wir haben MANV III ausgelöst", erklärt Einsatzleiter und Leiter der Feuerwache, Erwin Harbsmeier. Dieser sogenannte Massenanfall von Verletzten werde immer dann ausgelöst, wenn zum Beispiel eine Klinik betroffen sei oder es viele Vermisste gebe.
Zwölf Patienten vermisst der Geschäftsführer der Maternus-Klinik, Johannes Assfalg, eine Stunde nach Alarmierung der Feuerwehr. "Aber unsere Patienten sind nicht alle bettlägerig, sondern mobil und vermutlich im Haus oder auf dem Gelände unterwegs." Sofort hätten sich Pflegekräfte und Klinikpersonal um die Evakuierung von 24 betroffenen Patienten gekümmert, berichtet er. "Vorbildlich", lobt Harbsmeier, sei das gelaufen. Doch am Sammelplatz fehlen noch Patienten aus den zwei betroffenen Stockwerken.
Um 8.36 Uhr wurde die Feuerwache Bad Oeynhausen per Brandmeldeanlage alarmiert. Im Sanitärraum im sechsten Obergeschoss war es zu einem Schwelbrand gekommen. "Den Brand hatten wir schnell unter Kontrolle, aber es gab starke Rauchentwicklungen", so Stadtbrandmeister Klaus-Heinrich Schwichow. Deshalb seien die beiden obersten Stockwerke im Haus Westfalen evakuiert worden. Wie dieser Brand entstand, ist unklar. "Wir als Klinik sind gerade vor vier Wochen zertifiziert worden.
Dafür wurden alle technischen Geräte überprüft", erklärt Assfalg.
123 Einsatzkräfte aus dem gesamten Kreisgebiet waren nach MANV III vor Ort. "Den Rest haben wir unterwegs wieder umkehren lassen", so Schwichow. Der Rettungsdienst des Kreises, die Johanniter, die Notfallseelsorger, das Deutsche Rote Kreuz, der Notarzt des Klinikums oder auch die Rettungswache der Feuerwehr Porta Westfalica - sie alle waren einsatzbereit. Und wurden doch nicht gebraucht. War es notwendig, sie zu alarmieren? "Auf jeden Fall", sagt Schwichow, der sich an keinen derartigen Einsatz im Stadtgebiet erinnern kann. Es sei immer besser einen solchen Einsatz abzubrechen, als vorher zu lange zu überlegen. "Wenn wir erst abwarten und dann alarmieren, kann es zu spät sein."
Nach und nach tauchen auch die zwölf vermissten Patienten wieder auf. Kommen aus der Kaffeepause oder von der Massage. Auch ihre Zimmer haben sie mittlerweile - nach ordentlichem Lüften - wieder bezogen.