Bad Oeynhausen-Wulferdingsen. Wie es beim insolventen Unternehmen Fennel in Wulferdingsen weiter gehen soll, darüber wird heute Mittag die Belegschaft von Insolvenzverwalter Dr. Norbert Westhoff informiert. Seit Mittwoch verschafft sich der Bielefelder Jurist im Unternehmen einen Überblick über die finanzielle Lage. Sein vorrangiges Ziel: einen Investor finden. Wie berichtet musste Fennel-Geschäftsführer Karl-August Trawny am Montagabend beim Amtsgericht Bielefeld Insolvenz anmelden. Betroffen sind 340 Mitarbeiter.
Allein 40 Auszubildende beschäftigt Fennel derzeit in allen Abteilungen des Hauses. Ihre Zukunft ist genauso ungewiss, wie die der restlichen 300 Mitarbeiter. Auch für die neuen Auszubildenden, die am 16. August starten, ist die Situation nicht einfach. Sie alle wurden persönlich von der Personalleitung vorab über den Insolvenzantrag informiert. "Wir gehen aber davon aus, dass alle wie geplant ihre Ausbildung Mitte August hier beginnen können", erklärte Unternehmenssprecher Cersten Hellmich gestern auf NW-Nachfrage.
Während Insolvenzverwalter Westhoff und Geschäftsführer Trawny mit Hochdruck an einem Finanzierungskonzept arbeiten, betreibt Hellmich Kundenpflege. "Wir machen alles möglich, unsere Kunden weiter zu beliefern", erklärte er. Zurzeit laufe die Produktion wie gewohnt weiter.
Insolvenzgeld
Bis zum Monat August wird im Falle Fennel das Insolvenzausfallgeld gezahlt. Dieses entspricht dem Nettogehalt der Mitarbeiter. "Der Insolvenzverwalter erstellt dafür eine Bescheinigung", erklärt Dirk Oberwetter von der Agentur für Arbeit. Diese müsse dann beim Arbeitsamt vorgelegt werden. Ferner sei es üblich, dass der Insolvenzverwalter mit einer Bank seines Vertrauens vereinbare, dass dort die Ansprüche direkt an die Arbeitnehmer ausgezahlt würden – als Vorgriff auf das Insolvenzgeld.
"Die meisten Kunden haben Verständnis für die Situation." Der eine oder andere sei bereits in einer ähnlichen Situation gewesen, so Hellmich. "Hier arbeiten alle mit Hochdruck - mit ständigen Infos an die Kunden, was den Stand ihrer Aufträge angeht." Auch der Insolvenzverwalter sei bis spät abends im Unternehmen.
Sorge um die 340 Mitarbeiter der Fennel GmbH & Co. KG macht sich auch Dirk Oberwetter, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Bad Oeynhausen. "Unser Ziel ist es, möglichst wenig Leute in die endgültige Arbeitslosigkeit zu schicken", betont er. Und dafür wird er mit seinen Mitarbeitern aktiv.
Dafür sollen, wenn Betriebsrat und Personalleitung von Fennel zustimmen, die Agentur-Büros kurzzeitig in das Wulferdingsener Unternehmen verlegt werden. "Das ist eine Erleichterung für die Fennel-Mitarbeiter." Denn die müssen sich, im Falle einer Kündigung, spätestens drei Tage später persönlich arbeitslos melden.
Bereits seit einigen Monaten ist die Agentur für Arbeit mit der Fennel-Personalleitung in Gesprächen. "Vorrangig ging es um die Kurzarbeit", so Oberwetter. Auch für ihn sei die Insolvenz am Dienstag überraschend gekommen. "Letzte Woche wurde noch Zuversicht signalisiert", erklärte er.
340 gefährdete Arbeitsplätze, mache im Höchstfall 340 Menschen, die Arbeit suchen. "Das sprengt unsere Kapazitäten", gibt Oberwetter zu. Bisher wurde aber niemanden bei Fennel gekündigt. Solange heißt es: "Ruhe bewahren." Trotzdem rät Oberwetter allen Betroffenen, sich frühzeitig bei der Arbeitsagentur über den Arbeitsmarkt zu informieren. Dort können sich Betroffene aus einem Job heraus auch als arbeitssuchend registrieren lassen.
"Wir haben leider in der Vergangenheit an vielen Beispielen gesehen, wie schnell ein Unternehmen am Boden ist." Erfahrungsgemäß hätten aber vor allem Spezialkräfte und gut ausgebildete Mitarbeiter beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Aber für die Frauen und Männer an den Maschinen wird es nicht leicht werden", bedauert Oberwetter. Gerade durch viele Insolvenzen in der jüngsten Vergangenheit, sei der regionale Arbeitsmarkt am Boden.
Welche Zukunftsperspektiven Insolvenzverwalter Westhoff bei Fennel sieht und ob er bereits mögliche Investoren in der Hinterhand hat, darüber wird er heute die Belegschaft informieren. Für eine Stellungnahme gegenüber der NW war Dr. Norbert Westhoff bisher leider nicht erreichbar.