Was Ilona Strunk-Hoberg mit Tochter Anneke (10) am Bad Oeynhausener Krankenhaus erlebte
Bad Oeynhausen. Ilona Strunk-Hoberg hat genug. Mit fünf Kindern ist die Krankenhaus-Ambulanz eigentlich bekanntes Terrain für die Dehmerin. Doch das, was sie jüngst dort erlebte, brachte das Fass zum Überlaufen: "Mehr als sechs Stunden musste ich mit meiner zehnjährigen Tochter auf die Behandlung warten", schimpft sie. Die Begründung des Personals: Urlaubszeit und somit eine schmalere Besetzung. Eine solche Wartezeit aber können sich auf NW-Nachfrage auch die Verantwortlichen nicht erklären.
Es war Sonntagnachmittag, als Tochter Anneke (10) sich beim Fahrradfahren den Daumen verletzte. Und weil die Schmerzen gravierend und die Angst der Mutter vor einem Bruch da war, packte Ilona Strunk-Hobert ihre Jüngste kurzerhand ins Auto und düste gen Notfall-Ambulanz des Krankenhauses. "Es war voll, und wir mussten warten."
So weit, so gut. Unterm Strich standen letztendlich drei Stunden. "Das ist ja noch akzeptabel", sagt Strunk-Hoberg. Dass sie in der Ambulanz warten muss, ist für die Dehmerin nicht ungewohnt. "Ich habe fünf Kinder, da passiert immer mal was - und meist am Wochenende."
Für Anneke kaum auszuhalten
Dann kam der Montag. Und der Anruf aus der Ambulanz: "Sie müssen sofort mit ihrer Tochter kommen. Es gibt Unklarheiten auf dem Röntgenbild", bekam Ilona Strunk-Hoberg zu Hören. Sie holte Anneke aus der Schule ab und fuhr direkt in die Ambulanz. "Um 11.15 Uhr haben wir uns im Büro gemeldet." Die Auskunft: Wartezeit von zweieinhalb Stunden. "Es waren bestimmt noch 15 andere Patienten da", berichtet Strunk-Hoberg.
Als es halb zwei wurde, fragte die Mutter an der Anmeldung nach. "Ich musste ja meinen Sohn von der Schule holen." Dafür gab es das Okay, schließlich dauere es noch etwas. Mit Maarten im Gepäck traf Ilona Strunk-Hobert gegen 14 Uhr wieder in der Ambulanz ein - und meldete sich an der Anmeldung zurück. "Na, das dauert bestimmt noch anderthalb Stunden", lautete die Auskunft. Für Anneke kaum auszuhalten. Die Uhr tickt, aus anderthalb werden zweieinhalb Stunden. Schließlich ist es 16.45 Uhr, als Strunk-Hobergs aufgerufen werden.
Noch einmal wurde Annekes Daumen geröntgt. Und es bestätigte sich die Prellung. "Ich habe dann die Ärztin gefragt, wie es denn sein könne, dass wir solange warten mussten", sagt Strunk-Hoberg. Die lapidare Antwort: Es sei halt Urlaubszeit. "Aber fast sieben Stunden Wartezeit - kann das sein?" Anneke und Maarten schütteln den Kopf: "Das war total blöd. Da gehen wir nicht mehr hin", sind sich die beiden einig.
Dr. Gabriele Rolfes, kann sich das nicht erklären
Die Pressesprecherin der Mühlenkreiskliniken, zu der auch das Krankenhaus Bad Oeynhausen gehört, Dr. Gabriele Rolfes, kann sich das nicht erklären: "Laut Notfallbuch der behandelnden Ärzte waren Mutter und Tochter am Sonntag von 19.20 Uhr bis 21.10 Uhr in der Ambulanz, am Montag dann von 15.45 Uhr bis 17.15 Uhr", erklärte sie auf NW-Anfrage.
Unklar ist aber, ob das Notfallbuch lediglich die Behandlungszeit oder bereits ab dem Zeitpunkt der Anmeldung geführt wird. "Für den Chefarzt der Unfall-Ambulanz ist die Diskrepanz aber nicht erklärbar", so Rolfes.
Ilona Strunk-Hoberg kann darüber nur den Kopf schütteln. Verteilt aber trotzdem Lob: "Die Mitarbeiter waren trotz des Stresses nett und freundlich. Meine Kritik geht eher an die Chefs. Es kann nicht sein, dass immer mehr Personal abgebaut wird", moniert sie.
Ärzte und Pfleger seien keine Maschinen
Ärzte und Pfleger seien schließlich keine Maschinen, sondern wollten den Menschen helfen. "Aber unter solchen Bedingungen? Was passiert, wenn wirklich mal ein größeres Unglück passiert? Ist dann in der Urlaubszeit auch niemand für die Verletzten da?"
Wartezeiten aufgrund von Notfällen seien in Ordnung, findet die Mutter. "Aber keine sieben Stunden. Schon gar nicht mit Kind."