Bad Oeynhausen. Der Mann fuhr ein teures Auto und trug einen schicken Anzug. Beim Termin zur Wohnungsbesichtigung bekam er einen Anruf von seinem Tennispartner. Eine halbe Stunde später hatte er den Mietvertrag in der Tasche. Und der Vermieter einen Miettouristen im Haus. Auch in Bad Oeynhausen gibt es Mietnomaden, die Wohnungseigentümer absichtlich aufs Kreuz legen.
Verwüstete Wohnungen, Mietschulden, langwierige und kostspielige Räumungsklagen: Mietnomaden sind der Schrecken aller Hausbesitzer und können manchem Vermieter das Leben zur Hölle machen.
Der jährliche Mietausfall in Deutschland beträgt mehr als 2,2 Milliarden Euro. 200 Millionen davon sollen auf das Konto von Miettouristen gehen - Mietern, die bereits mit der Absicht einziehen, niemals Geld an den Vermieter zu überweisen. Und dem Eigentümer beim Nacht-und-Nebel-Auszug oft ein Schlachtfeld aus Müll, Dreck und Haustieren hinterlassen.
Immer häufiger werden vor allem allem private Vermieter, die ihre Altersvorsorge durch eine Immobilie sichern wollen, Opfer von Mietnomaden. Das weiß Daniel Kuhfuß, der erste Vorsitzende der Eigentümer Schutzgemeinschaft Haus und Grund in Bad Oeynhausen aus eigener Erfahrung: "Die Fluktuation ist deutlich angestiegen". Wie viele Mietnomaden die Hausbesitzer im Jahr vor Ort schröpfen, kann der Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht nicht sagen. "Vielleicht 40 bis 50. Die Dunkelziffer ist groß", schätzt Kuhfuß.
Um sich vor solchen Betrügern zu schützen, sollten Hausbesitzer eine Bonitätsauskunft über den potentiellen Mieter einholen, rät Rechtsanwalt Kuhfuß. Etwa mit dem Solvenzcheck von Haus und Grund, auf den sich Mieter und Vermieter von Anfang an verständigen. "Der wird durch eine Datenbank geschickt und ermittelt, ob jemand häufiger mit seinen Zahlungen in Verzug ist. Denn der typische Mietnomade zahlt in den meisten Fällen auch an anderer Stelle nicht. Und der Vermieter steht immer am Ende der Nahrungskette".
Ein Fall ist dem Vorsitzenden von Haus und Grund besonders in Erinnerung geblieben: "Als die Wohnung eines Vermieters endlich geräumt werden konnte, waren die Parkettböden nicht wieder zu erkennen. Ein Teppich von ausgetretenen Kippen und Dreck zog sich über den Boden, die Türen waren aufgebrochen und der Mietnomade hatte zwölf Katzen zurückgelassen. Eine war bereits gestorben und von den anderen Tieren verzehrt worden", beschreibt der Anwalt das krasses Beispiel.
Unter den Mietnomaden in Bad Oeynhausen gibt es auch so etwas wie "alte Pappenheimer", erzählt Kuhfuß. "Einen davon hatte ich bereits viermal vor der Flinte". Erinnern kann sich der Vorsitzende von Haus und Grund auch an einen Mandanten, der sein Haus notverkaufen musste, weil er dreimal hintereinander Opfer von Mietnomaden geworden war.
Trotzdem weiß Daniel Kuhfuß, dass es sich bei solchen Fällen um Ausnahmen handelt. "Der Großteil der Mietverhältnisse in Bad Oeynhausen läuft völlig unproblematisch. Nicht hinter jedem Busch hängt ein Räuber".
Vorsorglich empfiehlt der Anwalt vor allem privaten Vermietern als wirksamen Mechanismus eine Rechtsschutzversicherung, die für die Räumungs- und Gerichtskosten aufkommt. Und natürlich eine Mitgliedschaft in der Eigentümer Schutzgemeinschaft Haus und Grund.