Hochzeit der Wespen: Feuerwehr und Imker sind für gefährliche Nester nicht zuständig
Bad Oeynhausen. Mit einem Stück Pflaumenkuchen, Eis, Saft oder Bratwurst auf die Terrasse - zurzeit undenkbar. Denn sofort sind sie da, die Wespen. Scharf auf Zucker surren sie dem Sonnenhungrigen nah am Gesicht vorbei. Und sind dabei doch harmlos. Gefährlich werden die schwarz-gelben Tiere erst, wenn sie angegriffen werden. Vor allem wenn ein Nest am Haus ist, werden viele Bürger unruhig. Doch auf Hilfe hoffen sie in der Kurstadt vergebens.
Für die Wespenbrut war das Wetter bisher ideal. "Im warmen Frühjahr konnten sich die Wespen optimal entwickeln, so dass es etwa 30 bis 50 Prozent mehr als sonst gibt", sagt Gerhard Eppler vom NABU. Deshalb könnten im August und September besonders viele der schwarz-gelb gestreiften Insekten lästig werden. Auch der Bad Oeynhausener Imker Stefan Flaig beobachtet einen Anstieg der kleinen Tiere. "2010 gab es extrem wenig, 2011 extrem viel." Schuld daran sei das trockene und warme Frühjahr. "Das war gut für die Brutpflege." Nicht nur bei den Wespen, sondern auch bei den Honigbienen.
Die Naturschützer und Imker rufen zur Toleranz gegenüber den Wespen auf. Sie leisteten wichtige Dienste, weil sie Insekten fingen und an ihre Brut verfütterten. Deshalb solle niemand gleich zur chemischen Keule greifen, wenn er ein Nest entdeckt. "Bevor ein Wespennest umgesiedelt oder gar vernichtet wird, sollte man sich überlegen, ob nicht doch ein Miteinander von Mensch und Wespenstaat möglich ist", sagte Eppler. Nester sollten nur dort entfernt werden, wo Menschen ihnen zu nahe kommen könnten oder oft Kinder spielten. "Wespen sind niemals grundlos aggressiv, sondern stechen nur zur Verteidigung des Nestes und ihres eigenen Lebens", so Eppler.
Muss ein Nest dann doch einmal entfernt werden, hat der Hilfesuchende in Bad Oeynhausen keine Chance. Während in anderen Städten der Umgebung die Feuerwehr ausrückt und Nester entfernt, verweist sie in der Kurstadt auf die Imker. "Wir aber sind dafür auch nicht zuständig", kommentiert das Imker Stefan Flaig. Denn ein Imker könne nicht auf der einen Seite Bienen halten, und auf der anderen die nahen Verwandten, die Wespen, töten.
Bleibt für den Bad Oeynhausener nur das Insektenspray oder der Griff zu Eimer und Spachtel. Denn hängt das Nest frei, kann es im Dunkeln mit dem Spachtel abgestochen und mit dem Eimer aufgefangen werden, sagen Experten. Deckel drauf und in unbesiedelten Gebieten im Gras ablegen. Dann habe zumindest die Königin die Chance zu überleben und neu anzufangen.
Stefan Flaig ist dagegen fürs Hängenlassen. "Außer wenn das Nest wirklich ungünstig hängt und zum Beispiel irgendetwas verstopft", sagt er. Wichtig sei es auch, hektische Bewegungen in Wespennähe zu vermeiden. Erst dadurch würden die Tiere aggressiv.
Wer Geduld hat, bei dem löst sich das Wespen-Problem von selbst: In gut acht Wochen stirbt das Volk ab, nur die Königinnen überleben und überwintern in einem geschützten Versteck. Das Nest verwaist, es wird immer nur einen Sommer bewohnt und im nächsten Jahr an anderer Stelle neu gebaut.