Seit drei Jahren ergänzt die Konzertreihe Weltklassik am Klavier in der Wandelhalle das Kulturangebot
Bad Oeynhausen. Da ist er wieder, dieser prägnante und glasklare Anschlag. Zwar gilt er diesmal anderen Komponisten als in den vergangenen Jahren, aber der Mann am Klavier ist unverkennbar Haiou Zhang. Bereits zum dritten Mal eroberte der chinesische Pianist von Weltformat das Publikum in der Wandelhalle. Und wird auch nach zwei überaus virtuosen Zugaben nur ungern aus dem Konzertsaal entlassen.
Seit drei Jahren gibt es die Konzertreihe Weltklassik in Bad Oeynhausen. Inzwischen haben sich die monatlichen Klavierkonzerte in der Wandelhalle nicht nur fest etabliert, sondern auch in ihrer Zahl gesteigert. Denn seit vergangenem Jahr spielen die Pianisten zusätzlich Silvester. "Für unser Kulturangebot ist das eine absolute Bereicherung", versichert Frank Oette, der als Geschäftsführer der Staatsbad-GmbH auch für die Kultur in der Stadt zuständig ist.
"Die sonntäglichen Klavierkonzerte sind optimal im Spielplan integriert. Knapp 1.000 Besucher haben sich allein im letzten Jahr von den Konzerten faszinieren lassen. In diesem Jahr werden es vermutlich noch mehr sein. Und nicht nur das, die Konzerte sind auch ein Aushängeschild für unsere Stadt ", weiß Oette. Denn ein ausgefallenes Ambiente muss es schon sein, wenn Kathrin Haarstick, die Initiatorin der Konzertreihe, ihre Pianisten in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden auf Tournee schickt.
"Angefangen hat alles vor elf Jahren in einer gemütlich umgebauten Scheune im schönen Rysum in Ostfriesland", erinnert sich Weltklassik-Mitarbeiterin Andrea Lugg. Was am Anfang noch als Geheimtipp galt, etablierte sich schnell zu einer festen kulturellen Einrichtung mit einer wachsenden, begeisterten Zuhörerschaft. Auf Rysum folgte Lahr als zweiter Standort und inzwischen ziehen die Pianisten an 30 besonders schönen Standorten Liebhaber klassischer Musik in ihren Bann.
Bad Oeynhausen stieß als 13. Standort in die Weltklassik-Reihe. Zur Premiere 2009 gastierte das südafrikanische Duo Laura Pauna und Carla Hesse am schwarzen Flügel in der Wandelhalle. Ihre vierhändige Interpretation von Werken aus verschiedenen Epochen rief beim Publikum einen wahren Sturm der Begeisterung aus und sprach sich schnell herum. Seitdem gastieren dort jeden zweiten Sonntag im Monat internationale Pianisten und Gewinner renommierter Klavierwettbewerbe mit erlesenen Querschnitten von Werken aus Barock, Klassik und Romantik.
So wie Haiou Zhang, der diesmal in der ausverkauften Wandelhalle Werke von Frédéric Chopin und Franz Liszt zum Singen und Klingen und das Publikum einmal mehr zum Staunen und Schwärmen brachte. Mit Chopins Regentropfen-Prelude, dessen schicksalhaftes Pochen und Klopfen von dem 27-Jährigen mit Energie und Gefühl gespielt wurde. Oder mit Franz Liszts Wasserspielen, die der Pianist perlen und sprudeln lässt – wunderbar passend zu diesem kräftig verregneten Augustsonntag. Die Augen geschlossen konzentriert sich der Pianist aus Peking mit Wohnsitz in Hannover ganz auf sein Spiel, lehnt sich in den ruhigen Passagen zurück und lässt die Töne wie geschmolzene Schneeflocken verklingen.
Denn: "Das Publikum der Weltklassik ist anspruchsvoll und erwartet Qualität", weiß Frank Oette aus Erfahrung.