Bad Oeynhausen. Etwas mehr Ruhe wollte er mit seinem Plakat erreichen. Genau das Gegenteil hat Dieter Freudenberg bekommen. Doch statt des Kinderlärms, den der Seniorenbeirat mit dem Zettel in seinem Schaukasten am Kurpark eindämmen wollte, dröhnt Freudenberg als Vorsitzendem des Gremiums nun ein vielstimmiger Aufschrei der Empörung in den Ohren.
Seitdem dieNeue Westfälische darüber berichtet hatte, dass der Seniorenbeirat mit einem Aushang Eltern und Kinder um mehr Rücksichtnahme in den Ruhezeiten bitten will, sieht sich Freudenberg harscher Kritik ausgesetzt. Von der Schärfe seien er und seine Kollegen völlig überrascht worden. "Wenn wir das geahnt hätten, wäre darüber überhaupt nicht geredet worden", sagt Freudenberg. Er und seine Mitstreiter fühlen sich missverstanden und zu Unrecht an den Pranger gestellt. Schließlich handele es sich bei dem Plakat um eine Bitte, nicht um eine Forderung.
Dies erkennt Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann durchaus an, am Kern seiner Kritik hält er jedoch fest. "Natürlich ist das Plakat freundlich formuliert. Trotzdem ist es kontraproduktiv." Die Stadt Bad Oeynhausen unternehme große Anstrengungen, um kinderfreundlicher zu werden. Es sei daher ungeschickt vom Seniorenbeirat, mit so einem Ansinnen in die Öffentlichkeit zu gehen. "Die Mitglieder des Seniorenbeirates sollten jetzt daher in sich gehen und überlegen, ob sie das Plakat nicht besser abhängen."
Thomas Bouza Behm, Vorstandsvorsitzender des Kinderschutzbundes Minden-Bad Oeynhausen, geht fest davon aus, dass das Plakat ohnehin nicht die Meinung aller in Bad Oeynhausen lebenden Senioren wiederspiegelt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mehrzahl der Älteren sich über lachende und tobende Kinder aufregt." Vielmehr hofft er, dass durch derlei Aktionen kein Keil zwischen die Generationen getrieben werde.
Der Kinderschutzbund setze gezielt auf ein Miteinander, bei dem Senioren als ehrenamtliche Lesepaten an Schulen, Berater an Sorgentelefonen oder als Babysitter aktiv werden. "Vielleicht hat der Seniorenbeirat ja Interesse, sich mit uns gemeinsam für Kinder zu engagieren."
Auf Gemeinsamkeit von Jung und Alt setzt auch Joachim Knollmann vom Seniorenzentrum Bethel. Der Hauptgeschäftsführer hofft auf eine Zukunft als Mehrgenerationen-Haus und hat aus diesem Grund zwei Kindergruppen integriert. "Die Senioren freuen sich schon, wenn die Kinder morgens von ihren Eltern gebracht werden." Beschwerden wegen Lärm habe es nie und zu keiner Tageszeit gegeben. "Im Gegenteil, mit den Kindern hat Stimmung und Fröhlichkeit Einzug gehalten."
Dieter Freudenberg wehrt sich gegen den entstandenen Eindruck, dass er und die Mitglieder des Seniorenbeirates etwas gegen Kinder hätten. "Wir lieben Kinder, ich habe selbst neun Enkelkinder", sagt der Vorsitzende. Er respektiere die Haltung der Kritiker, fordert aber gleichzeitig auch Respekt für seinen Standpunkt ein. Und dieser stehe keineswegs dafür, dass den Kindern das Spielen verboten werden solle. "Sie sollen sich bewegen und ihren Spaß haben. Wir möchten nur, dass sie zu bestimmten Zeiten etwas ruhiger sind."
Nach der Aufregung der vergangenen Tage wünscht sich Dieter Freudenberg einmal mehr, dass etwas mehr Ruhe einkehrt. "Dann können wir uns wieder über Sachen unterhalten, die deutlich wichtiger sind."