Bad Oeynhausen. Hannelore Wiedemann ist sauer. Mit Tränen in den Augen steht sie vor einer Pferdeweide. Darauf grasen zwei Shetlandponys. Im strömenden Regen, ohne Unterstand. An ihren Augen und Nüstern klebt Eiter, eins der Tiere hustet. Die Vorsitzende des Vereins Nestwärme und andere Tierschützer versuchen seit Wochen, den Tieren zu helfen. Sie werfen dem Veterinäramt vor, nichts gegen den Besitzer zu unternehmen.
Jetzt sind die Ponys verschwunden. Verkauft, wie ihr Halter Uwe Schorpp sagt. "Das läuft immer so und ist kein Einzelfall", sagt Alexandra Fanslau vom Tierschutzverein Hameln-Pyrmont. "Immer, wenn wir das Veterinäramt einschalten und das dem Besitzer Auflagen stellt, sind die Tiere kurz darauf weg." Sie vermutet, dass Schorpp so die Auflagen umgehen will.
Es ist nicht das erste Mal, dass Wiedemann und ihre Helfer mit gebunden Händen dastehen. Auf derselben Weide hatten sie im Sommer Ponys mit Wasser versorgt, weil keine Tränke da war. Auch damals schalteten sie das Veterinäramt ein. Das kam zwar, stellte aber keine groben Mängel fest. "Wir können nur das bewerten, was wir vor Ort sehen. Wenn die Tiere Wasser haben, können wir nicht nachprüfen, wer es ihnen gegeben hat", sagt Veterinäramtssprecherin Sabine Ohnesorge. Besitzer Schorpp sagt in einem Gespräch mit der Neuen Westfälischen, dass Kinder aus der Nachbarschaft die Trinktröge regelmäßig umgeschmissen hätten, er deshalb keine mehr aufgestellt habe und mehrmals am Tag selbst Wasser gebracht habe.
Das Pony habe schlimm ausgesehen
Auch das Husten des Ponys erklärt er: "Das hatte ein Brötchen verschluckt, das im Hals quer lag." Der Ausfluss aus Augen und Nüstern sei Folge einer Penicilin-Behandlung.
Die beiden Shetlandponys habe er verkauft, sagt Schorpp. Und das bereits, bevor das Veterinäramt am Montag einen Amtstierarzt zu der Koppel schickte. "Wir haben sie nicht eingefangen gekriegt", nennt Schorpp als Grund, warum die Tiere noch am Dienstag auf der Weide standen. Ein weiteres Pony, das, laut Wiedemann "schlimm aussah", war zuvor bereits von der Koppel verschwunden. "Ich bin nicht der Besitzer der Tiere und auch nicht der Weide", sagt Schorpp, der nun keine Pferde dort mehr halten will. "Da kommen Schafe oder andere Tiere drauf, die keinen Unterstand brauchen."
"Alles Ausreden", sind sich die Tierschützer einig. "Es kann nicht sein, dass das Veterinäramt sich damit abfindet, dass die Tiere einen neuen Besitzer haben", sagt Fanslau. "Wir gehen jedem Hinweis auf eine nicht artgerechte Haltung sofort nach und stellen bei Anlass auch Auflagen. Aber Pferde gelten als landwirtschaftliche Nutztiere und da Herr Schorpp eine Privatperson ist, verfolgen wir den Fall nicht weiter, wenn die Ponys verkauft sind", rechtfertigt Ohnesorge das Handeln des Amtes.
Sollten die Tiere wirklich an der Pferdekrankheit Druse leiden, wie es die Tierschützer vermuten, wäre das "ein Skandal", wie es Fanslau benennt. Deshalb wollen sie nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Veterinäramt stellen.