Bad Oeynhausen. Alexandra Fanslau stehen die Tränen in den Augen. "Das ist Quälerei", sagt die Tierschützerin und blickt auf eine Koppel am Alten Postweg. Darauf waten vier Pferde und ein Fohlen durch knöcheltiefen Schlamm, ihre Felle sind durchnässt. Fanslau und andere Tierschützer wollen den Vierbeinern helfen, doch sie fühlen sich vom Veterinäramt im Stich gelassen. Pikant: Die Tiere stammen offenbar von Pferdehaltern, denen von der Behörde Auflagen erteilt wurden.
Alexandra Fanslau und Carsten Schöning haben die Pferde schon seit Monaten im Visier Nach Einschätzung der Tierschützer aber hat sich die Situation in den regnerischen Tagen Ende Dezember erheblich zugespitzt. "Die Weide und der provisorische Holzunterstand mit seinem undichten Planendach sind völlig durchnässt, die Pferde haben keine Möglichkeit, sich ins Trockene zurückzuziehen", sagt Schöning. In einem viel zu kleinen und dunklen Stall auf dem Gelände würden zudem zwölf Pferde unter nicht artgerechten Bedingungen und zum Teil ohne Futter und Wasser gehalten, ergänzt Fanslau.
"Zustand der Pferde ist nicht schlecht"
Als Richter bei Reitturnieren im gesamten Bundesgebiet kennt sich Klaus Harms mit Pferden gut aus. Gestern machte sich der Hiddenhausener ein Bild von den vermeintlich verwahrlosten Pferden auf dem Gelände am Alten Postweg. Sein Urteil: "Der Zustand der Tiere auf der Koppel ist nicht schlecht. Sie haben alles, was sie zum Leben brauchen: Futter, Wasser und Bewegung an der frischen Luft", sagt Harms. Dass die Pferde zu dieser Jahreszeit und den Witterungsbedingungen draußen stehen, bereite ihm keine Kopfschmerzen. Harms: "Manche Menschen haben da ein ganz besonderes Empfinden, wenn es um das Wohl von Tieren geht. Pferden macht das Wetter jedenfalls nichts aus." Wie es um den Zustand der zwölf Pferde im Stall bestellt ist, könne er allerdings nicht beurteilen.
Mit Blick auf die Silvesternacht hat Carsten Schöning am 28. Dezember das Veterinäramt und die Polizei über die Zustände auf dem Gelände am Alten Postweg informiert. Passiert sei allerdings nichts, bedauert Schöning. Auch am Abend des 31. Dezember hätten die Pferde zusammengekauert in der Mitte der Weide im Schlamm gestanden und ihn verängstigt angesehen, sagt er.
Unverständnis für Vorwürfe
Der Eigentümer der Koppel, der namentlich nicht genannt werden möchte, kann die Vorwürfe nicht verstehen. "Die Pferde haben jederzeit die Möglichkeit, sich in ihren Stall zurückzuziehen. Der ist trocken und windgeschützt. Ich habe die Pferde in der Silvesternacht bewusst nicht eingesperrt. Bei der Knallerei wären die Tiere in ihren Boxen doch durchgedreht", sagt er. Nach Informationen der Neuen Westfälischen hat das Veterinäramt am Montag eine Kontrolle auf dem Gelände am Alten Postweg durchgeführt. Kreis-Sprecherin Sabine Ohnesorge wollte das gestern nicht kommentieren und berief sich dabei auf Gründe des Datenschutzes.
Es ist nicht das erste Mal, dass Fanslau und Schöning mit gebundenen Händen dastehen. Im Sommer hatten sie das Veterinäramt darüber informiert, dass zwei Ponys nicht mit Wasser versorgt worden waren, im Oktober meldeten die Tierschützer der Behörde zwei verwahrloste und offenbar erkrankte Shetlandponys (die NW berichtete). "Das Veterinäramt hat nichts unternommen", so Schöning. Der Eigentümer des Geländes will davon nichts wissen. "Den Tieren auf meinen Weiden geht es gut. Und das wird vom Veterinäramt regelmäßig überprüft", sagt er.
Wie der Pferdewirt gestern gegenüber der NW bestätigte, handelt es sich bei den fünf Pferden auf seiner Weide um Tiere, die er nur vorübergehend in Obhut habe. "Die Pferde stammen von Leuten, die vom Veterinäramt Auflagen erhalten haben und ihre Tiere aus diesem Grund zeitweise anderweitig unterbringen müssen", sagt der Bad Oeynhausener. Sabine Ohnesorge wollte sich zu der Herkunft der Tiere nicht äußern. "Der Kreis hat keine Tiere an den Pferdewirt vermittelt", sagt sie.
Komplott vermutet
Alexandra Fanslau und Carsten Schöning vermuten einen Komplott und wollen Fachaufsichtsbeschwerde gegen das Veterinäramt bei Landrat Dr. Ralf Niermann einreichen. "Wenn die Mitarbeiter des Veterinäramtes den Pferdewirt schützen, weil sie ihm die Tiere vermittelt haben, wäre das ein starkes Stück. Hier geht es um das Wohlergehen von Tieren", sagt Schöning.