Prozess wegen Verstoßes gegen das "Kriegswaffenkontrollgesetz" / Fragwürdige Spiele in Tschechien
Herford. Himmler-Nickelbrille, Hitler-Seitenscheitel, brauner Pulli. Wie braun es im Kopf von Hans T. (Name geändert) zugeht, wurde in der gestrigen Verhandlung vorm Schöffengericht nicht thematisiert. Der 38-jährige Bad Oeynhausener saß vielmehr wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz auf der Anklagebank. In seiner Garage hatte der Zoll im Oktober 2010 ein funktionsfähiges Maschinengewehr - Typ MG 42 - aus dem 2. Weltkrieg entdeckt.
Er habe von der Existenz der Waffe in seiner Garage nichts gewusst und sei aus allen Wolken gefallen, als die Fahnder ihn mit dem Fund konfrontierten. "Die Garage auf meinem Grundstück ist an die Interessengemeinschaft untervermietet und für alle zugänglich", sagte T. gleich zu Beginn der Verhandlung und legte zum Beweis einen Mietvertrag vor. "Das Gewehr gehört nicht mir, sondern einem Vereinskollegen - und der hat es auch so manipuliert, dass es funktionstüchtig ist."
Stichwort Interessengemeinschaft: Besagter Verein nennt sich "IG Deutschland" und ist offenbar Ts ideologischer Ersatz für den "Europäischen Darstellungsverein für lebendige Geschichte" (EDLG). Die Vereinsmitglieder - unter ihnen auch Hans T. - tingelten einst in SS-Uniformen durch Tschechien, spielten Krieg und stellten vor Publikum mit Vorliebe Erschießungsszenen nach. Zeitschriften wie der Spiegel hatten über die fragwürdigen Spielchen berichtet. T. hatte sich damals publikumswirksam in der einstigen TV-Sendung "Vera am Mittag" präsentiert - als Neonazi-Aussteiger, der mit rechtem Gedankengut angeblich nichts mehr am Hut hat.
Der Staatsschutz warf trotzdem ein Auge auf ihn: 2004 wurde Hans T. vorgeworfen, ein MG 42 eingeführt und zwei weitere funktionstüchtige Maschinenpistolen besessen zu haben. Die Fahnder hatten hinter seinem Bett außerdem ein Hitlerbild entdeckt.
Nach vier Monaten Untersuchungshaft wurde er zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.
Offenbar können er und seine Kollegen sich aber bis heute nicht von ihrer Liebe zum Dritten Reich trennen: Wie seinerzeit mit dem EDLG, ziehen sie auch mit ihrer IG Deutschland durch Tschechien und spielen Krieg in Uniform. Nach Tschechien reisen sie offenbar, weil Hakenkreuze und andere Symbole dort nicht verboten sind.
"Mit dem jetzigen Gewehr habe ich aber nichts zu tun - ich halte mich strikt an deutsches Gesetz, ich bin ja ein gebranntes Kind", verteidigte sich T. gestern vorm Schöffengericht.
Besagter Vereinskollege, dem die Waffe gehören soll, hätte gestern als Zeuge anwesend sein sollen, war aber nicht erschienen. "Um die Wahrheit herauszufinden, brauchen wir den Mann aber", sagte Richterin Blöbaum. Der Termin wird in den kommenden Wochen fortgesetzt.