Was die Schülerinnen der Hausaufgabenbetreuung des Kinderschutzbundes auszeichnet
Bad Oeynhausen. Ihre Schularbeiten hat Serihan Mohammad früher immer gern erledigt – jedenfalls dienstags und donnerstags. "Da hatte ich tolle Hilfe." Mittlerweile steht die 19-Jährige kurz vor dem Abitur – und leistet diese Hilfe selbst. Sie gehört zum ehrenamtlichen Team, das im Kinderschutzbund für die Hausaufgabenbetreuung zuständig ist.
"Hast du das wirklich richtig verstanden?" Serihan gibt sich mit dem schnellen "Ja" von Makka nicht zufrieden – und fühlt sich sogleich bestätigt. Tatsächlich hat die Zehnjährige beim Wort "streichen" nur an Malerarbeiten gedacht, dass man damit auch eine leichte Berührung umschreiben kann, war ihr nicht bewusst. Dabei war genau das für die Deutschaufgabe gefragt.
"Solche Doppelbedeutungen bereiten uns Schwierigkeiten", erläutert die Gesamtschülerin. Ihre Eltern stammen aus dem Libanon, legen Wert darauf, dass die fünf Kinder nicht ihre Wurzeln verlieren und unterhalten sich daher zu Hause mit ihnen kurdisch und arabisch. Serihan spricht dennoch perfekt deutsch ("Das habe ich schon im Kindergarten gelernt"), kann sich aber noch genau daran erinnern, dass auch ihr mehrdeutige Worte lange Zeit fremd geblieben sind. Und weil sie auch erfahren hat, dass Bluffen meist nur kurzfristig nutzt, ist sie bei ihren Schützlingen besonders hartnäckig. .
Eine Eigenschaft, die Wibke Korsmeier überaus zu schätzen weiß.
Die hauptamtliche Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes ist für das Betreuerteam verantwortlich und sicher: "Helfer mit eigenem Migrationshintergrund können sich besonders gut in die Kinder in ähnlicher Lage hineinversetzen". Dass im letzten Jahr alle Kinder aus der Hausaufgbenbereuung die Versetzung geschafft haben, ist ihrer Ansicht nach auch dem Einsatz von Serihan und Sarah Fakih zu verdanken.
Die 17-jährige Sarah geht in die 11. Klasse des Immanuel-Kant-Gymnasiums, ihre Eltern kommen aus dem Libanon, sie selbst ist wie Serihan in Bad Oeynhausen geboren und "mit dem Kinderschutzbund" groß geworden. "Mir hat die regelmäßige Freizeitbetreuung selbst ganz viel gebracht, da will ich jetzt etwas zurückgeben", umschreibt sie ihre Motivation für den regelmäßigen Einsatz mit den Kindern.
88 minus 60? Geduldig zeigt sie Ali die Rechenschritte: Wieviel ist 80 weniger 60? Und was passiert jetzt mit den 8? Der siebenjährige Zweitklässler erweist sich als gelehriger Schüler: 57 weniger 40 schafft er ganz ohne Hilfe.
Mahmoud braucht noch Hilfe, bekommt die allerdings von Laura. Die 17-jährige Kant-Gymnasiastin gehört ebenfalls seit einem Jahr zum Team – und ist im Gegensatz zu Sarah nicht mit dem siebenjährigen Jungen verwandt. "Der soll hier auch lernen, auf andere zu hören", sind sich die beiden Mädchen einig. Wobei die Betonung auf "hier" liegt. Daheim hat die große Schwester bei den Hausaufgaben schon das Sagen.
Kein Wunder, dass Mahmoud auch dienstags und donnerstags lieber als an anderen Tagen seine Schulaufgaben macht.