Schüler berichten von ihren Erfahrungen nach Babyzeit-Projekt mit Säuglings-Simulatoren
Bad Oeynhausen. Tiefe Augenringe, übermüdete Gesichter. Und dann schläft Ali, alleinerziehender Vater von einer zwei Monate alten Tochter, sogar im Unterricht ein. Die Folgen des Projekts Babyzeit, bei dem sich 14 Gesamtschüler allein oder zu zweit drei Tage lang um einen Baby-Simulator kümmerten, sind deutlich sichtbar. Doch als es Zeit zum Abschied ist, werden die Nachwuchs-Eltern sentimental.
"Ich hatte ein richtiges Schreikind", sagt Hidaya. Die 16-Jährige kümmerte sich ganz allein um "ihren" Elias, gab ihm Fläschchen, wickelte ihn und wiegte ihn nachts wieder in den Schlaf. Wie bei einem echten Baby eben. Doch Elias ist eine hochempfindliche Puppe. Er merkt sich, wenn Hidaya seinen Kopf nicht ausreichend stützt oder sich nicht sofort um ihn kümmert, wenn er schreit.
"Alle Schüler haben die Aufgabe hervorragend gemeistert", resümiert Frauke Neumann, die zusammen mit Ulrike Lahser den Gesamtschülern im Rahmen der Gesundheitstage einen Crash-Kurs in Babypflege gab. "Unser Ziel ist es nicht, Teenager-Schwangerschaften zu verhindern, sondern den Jugendlichen ein differenziertes Bild vom Leben mit einem Säugling zu vermitteln."
Und das hat es in sich. Durchschnittlich 65 Mal mussten die Teilzeit-Eltern während ihres Baby-Praktikums aktiv werden. Baby Elias fing mitten im Schulbus an zu Schreien und Celina, der Simulator von Emma (16) und Vanessa (15), wollte nachts gerne 40 Minuten lang aus seinem Fläschchen trinken. "Wir hatten richtigen Stress. Auch wenn wir uns die Pflege geteilt haben, kamen wir zu spät in die Schule", berichten die Freundinnen. "Ich war manchmal schon überfordert. Wenn Celina immer lauter geschrien hat und wir nicht wussten, was sie wollte zum Beispiel", erzählt Vanessa von ihrem Alltag als Mutter. Freundin Emma nickt zustimmend.
Ein wenig "erleichtert", dass das Projekt nun zu Ende ist, seien die beiden schon. Doch kleine Muttergefühle hatten sich auch bei ihnen nach der kurzen Zeit eingestellt. "Es war eine schöne und lehrreiche Zeit", sagt auch Hidaya. Umso schwerer fiel der Abschied am Donnerstagmorgen, als die Simulatoren ausgeschaltet und die Babystrampler wieder in den Kisten verstaut wurden.