Petershagen. "Sie haben die Suche der Kinder nach der eigenen Reife planmäßig und perfide für sich ausgenutzt", sagte der Vorsitzende Richter Christoph Meiring in der Urteilsbegründung zum Angeklagten. Der aus Petershagen stammende Angeklagte (23) hatte zuvor gestanden, sich über das Internet Kindern und Jugendlichen genähert und diese zu sexuellen Handlungen überredet zu haben. Das Bielefelder Landgericht verurteilte ihn gestern zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis.
Er wolle einen Schlussstrich unter die Sache ziehen und empfinde Ekel, wenn er über die Vorfälle rede, sagte der Angeklagte in der Verhandlung. Eine echte Reue mochte ihm Staatsanwältin Sabine Berger in ihrem Schlussvortrag aber nicht zu attestieren, vielmehr zeugten seine Äußerungen von Scham.
Mit "perfiden Machenschaften" - so Richter Meiring - hatte sich der Angeklagte von Mai 2008 an über mehrere Jahre Kindern und Jugendlichen über Internet-Chats genähert, um sie für seine Zwecke einzuspannen.
Zunächst gab sich der 23-Jährige in Foren als die 12-jährige Tochter eines Fernseh-Regisseurs aus, der den Mädchen eine Rolle in einer Serie des Kinderkanals Kika beschaffen könne. Hierfür sollten die Mädchen zu Probezwecken vor der Webcam sexuelle Handlungen an sich oder anderen Kindern vornehmen. Die Kinder brachen den Chat jedoch zumeist ab, der Versuch schlug fehl. Eine laut Richter Meiring "dramatische Wendung" nahm die Tatenserie im März 2009. In einem Fall gelang es dem Mann, ein den Ermittlern unbekanntes vermutlich 14- oder 15-jähriges Mädchen zu einem Treffen zu überreden. Er hatte dem Teenager Geld sowie Kleidung für eine Fernsehrolle versprochen. In Erwartung der Gegenleistung erduldete das Mädchen den folgenden Missbrauch, der angeblich ebenfalls Probezwecken dienen sollte. Doch damit nicht genug: Der Angeklagte filmte die Prozedur.
Schließlich wurde die Polizei auf denTäter aufmerksam. Bei einer Hausdurchsuchung stellten die Beamten im April einen PC, einen Camcorder sowie ein Notebook sicher.
Nach einer halbjährigen Pause nahm der 23-Jährige jedoch dessen ungeachtet wieder Kontakt zu Jugendlichen auf. Dieses Mal versuchte der nicht vorbestrafte Mann, seine Opfer mit einer anderen Masche zu ködern: Er gab sich im Internet als Mitarbeiter verschiedener namhafter Hersteller von Pflegemitteln aus und gaukelte seinen Opfern vor, er suche Testerinnen für Intim-Pflegeprodukte. Die Mädchen sollten dafür zwischen 50 und 500 Euro monatlich erhalten. Jedoch sei eine ärztliche Untersuchung notwendig, die ein Student vornehmen werde.
In einem Fall hatte die Masche Erfolg: Der Sexualstraftäter traf sich am 4. Januar 2010 im Clubhaus eines Motorradclubs mit einem 17-jährigen Mädchen, wo er als der vermeintliche Student das Opfer missbrauchte. Die Jugendliche hatte sich von ihrer Mutter zum Treffpunkt fahren lassen.
"Es hat sich alles wie im Fluss abgespielt, Sie haben Ihre Opfer einfach mitgenommen", sagte Meiring in der Urteilsbegründung zum geständigen Angeklagten. Meiring räumte jedoch ein, dass es dem Mannmit seinem "manipulativen und planvollen" Auftreten äußerst leicht gemacht worden sei, seine Wünsche in die Tat umzusetzen: "Bei der Naivität der Opfer muss man trotzdem fassungslos konstatieren: Wie kann so etwas möglich sein?"













