1.548 Einsätze im vergangenen Jahr: Mehr Herzkreislauferkrankungen und Schlaganfälle, weniger Unfälle
Bad Oeynhausen. Schon bei der Vorstellung dieses Rekords ist Dr. Gregor Gram sicher: " Im nächsten Jahr werden es noch mehr." 1.548 Mal war das von ihm geleitete Notarztteam im Einsatz - mehr als je zuvor in der 26-jährigen Geschichte des Standorts.
540 Fahrten weist die Statistik für das Jahr 1986 aus - seitdem werden ständig steigende Zahlen registriert. "Die Menschen werden immer älter", nennt Gram einen wichtigen Grund, der auch in Zukunft für steigende Einsatzzahlen sorgen wird. Und damit steigt das Risiko für internistische Notfälle wie Herz-Kreislauferkrankungen und akute Luftnot, aber auch für Schlaganfälle. Derartige Krisensituationen sind es auch, die mit Abstand am häufigsten vom Notarztteam zu bewältigen sind.
Mal abgesehen von der allgemeinen demographischen Entwicklung gibt es dafür allerdings noch einen zusätzlichen Grund, der am Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen erschwerend wirkt. "Hier gibt es besonders viele Reha-Kliniken. Und die behandeln zunehmend ältere, oft chronisch kranke Patienten", erläutert Dr. Jens Tiesmeyer, stellvertretender Standortleiter
Wie Gram ist auch er Anästhesist und Mitarbeiter in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Krankenhaus Bad Oeynhausen. "Wir stellen 75 Prozent der Notärzte", betont Dr. Mattias Emmerich, Institutsleiter und Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Neben einigen niedergelassenen Medizinern gehören noch Unfallchirurgen und Internisten aus dem Krankenhaus zum insgesamt 17-köpfigen Notärzteteam. Allerdings lassen Gram, Tiesmeyer und Emmerich auch keinen Zweifel daran, dass "wir nur dank der tollen Unterstützung" durch die Rettungsassistenten der Berufsfeuerwehr "so gute Arbeit" leisten können. Die übernehmen nicht nur als Zweierteam die Erstversorgung, sondern bringen den Arzt auch mit Blaulicht und in einem zweiten Wagen ans Ziel.
Regelmäßige Fortbildung und ständige Auswertung der Einsätze gehört ebenso zur Qualitätssicherung wie begleitende wissenschaftliche Untersuchungen. Eine spezielle, zunächst bei Operationen im Krankenhaus getestete Kehlkopfmaske ist beispielsweise Teil der Standardausrüstung "Die hat sich bei der Atemwegssicherung bewährt", fasst Emmerich die von seinen Notärzten bestätigten und in mittlerweile zehn wissenschftlichen Beiträgen publizierten Erfahrungen zusammen. Bei sechs Prozent aller Einsätze, also alle vier bis fünf Tage, ist eine solche Atemwegssicherung mittlerweile erforderlich.
Verletzungen nach Unfällen waren im letzten Jahr etwa 300 Mal die Ursache für einen Notarzteinsatz - Tendenz sinkend. Und auch insofern ist Gram ganz sicher: "Das wird sich fortsetzen." In den Betrieben wurde stark in den Arbeitsschutz investiert. Gram: "Und dank Airbag gibt es auch bei Verkehrsunfällen weniger Schwerverletzte."